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Für technikaffine User ist das iPad jetzt schon ein Must-Have, am Mainstream-Markt muss es sich noch beweisen.

Foto: Reuters

Stephen Fry hat seines bereits, Steve Wozniak hat gleich drei vorbestellt und will sich auch noch in der Schlange zum Verkaufsstart anstellen: das iPad ruft unter technophilen Usern zweifellos ein starkes "will-haben"-Gefühl hervor. Doch Apples Zielgruppe sind nicht (nur) Geeks, das Unternehmen will mit seinem Tablet-Computer in den Mainstream-Markt. Und dieser zeigt sich kurz vor dem Verkaufsstart am Samstag zögerlich.

Wozu ein iPad?

"Die ersten fünf Millionen werden sich innerhalb eines Herzschlages verkaufen", sagt der Venture Capitalist Guy Kawasaki, der in den 1980ern für Apples Marketing zuständig war, gegenüber der New York Times. Nach Apples Angaben war das die erste Tranche des iPads schon bei den Vorbestellungen in kürzester Zeit ausverkauft. Kawasaki betont jedoch, dass man mit dem iPad weder telefonieren noch Fotos aufnehmen kann. Zudem sollen Kunden für Inhalte bezahlen, für die sie zuvor nicht unbedingt bereit waren, Geld auszugeben. Dem iPad scheint derzeit noch eine Bestimmung zu fehlen. Mit dem iPod hören User Musik, das iPhone ist zum Telefonieren und mobilen Surfen da. Zum Arbeiten und zur multimedialen Unterhaltung daheim gibt es Desktops und Notebooks. E-Book-Reader sollen sich als Lesegerät für Bücher, Zeitungen und Magazine in digitaler Form etablieren. Hinzu kommt, dass viele User ohnehin schon mehrere Handys, einen Desktop und ein Notebook oder Netbook, eine Digicam und einen MP3-Player besitzen. Viele fragen sich, wo hier das iPad noch hineinpasst - und wieso sie dafür zumindest 500 US-Dollar ausgeben sollten. Das ist auch der Tenor mehrerer von der New York Times befragten Personen. "Wozu noch ein Gerät, das man über Nacht aufladen muss?", fragt ein Kunde. 

Jobs wird iPad nicht floppen lassen

Analysten, Journalisten und Marktkenner hingegen sind der Meinung, dass das iPad das Computings verändern wird. Dass Apple-Produkte dieses Potential besitzen, hat der Konzern unter anderem mit iPod und iPhone unter Beweis gestellt. Dabei wird oft vergessen, dass das Unternehmen aus Cupertino nicht selten auch Flops entwickelt hat. Darf man Apple-Kennern jedoch glauben, ist das iPad das Wichtigste, an dem CEO Steve Jobs bislang gearbeitet hat. Auch die Medienbranche setzt große Hoffnungen in das Tablet, das zum Retter des Zeitungsgeschäfts werden soll. Jobs und die Medienbranche werden also wohl alles daran setzen, das iPad nicht floppen zu lassen. Man kann davon ausgehen, dass mit dem US-Start eine breit angelegte Werbekampagne folgen wird. Piper Jaffray-Analyst Gene Munster geht davon aus, dass Apple 77 Millionen US-Dollar für iPad-Werbung ausgeben wird. Das entspricht etwa 15 Prozent des geschätzten Werbebudgets von 515 Millionen US-Dollar in 2010. Und auch mit dem Preis wird Apple wohl noch etwas runtergehen.

Kundeninteresse

Laut den Marktforschern der NPD Group zeigen sich 18 Prozent der Konsumenten daran interessiert, ein iPad zu kaufen. Eine Studie von RBC/ChangeWave im Februar ergab, dass sich 13 Prozent der befragten Personen ein iPad anschaffen wollen. Im Vergleich dazu, bekundeten 2007 nur 9 Prozent ihr Interesse daran, das erste iPhone zu kaufen. Kann Apple mit dem iPad auch nur einen Bruchteil des iPhone-Verkaufs erzielen, kann das Unternehmen schon zufrieden sein. (br/ derStandard.at 2. April 2010)