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Der Österreichische Staatspreis 2010 für Olga Neuwirth.

Foto: APA/GEORG HOCHMUTH

Wien - Olga Neuwirth erhielt am Donnerstag von Kulturministerin Claudia Schmied den Großen Österreichischen Staatspreis 2010. Schmied nannte Neuwirth "eine kritische Frau, die Anteil an den gesellschaftlichen Entwicklungen nimmt, eine Frau, die Position bezieht, die Dinge beim Namen nennt, eine Frau, die entschieden gegen rechte Politiker und ihre Demagogie auftritt". Neuwirth ist erst die zehnte Frau, die mit dieser 1950 erstmals verliehenen und mit 30.000 Euro dotierten höchstrangigen Auszeichnung der Republik Österreich geehrt wird. Gleichzeitig ist sie die jüngste Preisträgerin in der Geschichte des Großen Staatspreises.

Schmied wandte sich zu Beginn der von Mitgliedern des Klangforum Wien mit Countertenor Andrew Watts sowie dem Duo frufru (Angelica Castello und Maja Osojnik) musikalisch begleiteten Feier im Kulturministerium an die Staatspreisträgerin: "Die Qualität Ihres Werkes und Ihr unbeugsamer Wille bahnen Ihnen Ihren Weg in einer noch immer von Männern dominierten Musikwelt." Neuwirth betonte in ihrer Dankesrede, sie stelle als erste Preisträgerin in der Sparte Musik "noch immer eine Art Pionierin" dar. Sie freue sich sehr über den Preis, "gleichzeitig weiß ich, dass meine Realität im Musikbetrieb viel prosaischer aussieht und auch so bleiben wird".

Dank an...

"Die Macht fühlt sich immer von der Kunst bedroht, und anscheinend von einer kleinen Frau besonders", sagte die Komponistin, "Bei jedem Stück muss ich mich aufs Neue beweisen. (....) Es ist zermürbend, kraftraubend und äußerst schwierig, sich ein Trotzdem zu erhalten. (...) Wer sich nicht gleichschalten lässt und hinterfragt, wird schnell zum Störfaktor." Gerade aus diesem Grund sei es ihr wichtig, sich bei all jenen zu bedanken, die immer an sie geglaubt und sie unterstützt hätten, so Olga Neuwirth, die neben ihrer Oma und ihrer Mutter, Dramaturgen und frühe Auftraggeber auch vorbildhafte Künstlerinnen und Wissenschafterinnen wie Renee Schröder, VALIE EXPORT und vor allem Elfriede Jelinek hervorhob, mit der sie seit ihren Anfängen eine enge Freundschaft verbinde.

Auf diese Freundschaft und enge Arbeitsbeziehung verwies auch Laudator Burkhard Stangl in seiner immer wieder von kurzen Musikeinspielungen und Melville-Zitaten unterbrochenen Rede. Neuwirths Oeuvre erinnere ihn an "ein riesiges, gefährlich schönes Atoll, das aus vielen Inseln besteht". "Verwaist und seit langem unbewohnt" sei allerdings seit einem Autounfall der damals 15-Jährigen, der eine Karriere als Jazztrompeterin verhindert habe, ihre "geliebte Trompeteninsel". Doch Neuwirth wage es, immer wieder neue Musikinseln bewohnbar zu machen, die sie sich zuvor selbst erschaffe.

Grenzüberschreiterin

Stangl erinnerte an einen prägenden Aufenthalt der gebürtigen Grazerin in San Francisco, wo die Grenzüberschreiterin Musik, Film und Malerei studiert hatte, und wagte einen großen Vergleich: "Ich denke, Olga Neuwirth hat das Komponieren nicht gelernt. Sie hat es wie Mozart gewissermaßen schon immer gekonnt." Der Laudator verwies auf Werke wie "Bählamms Fest", "Lost Highway" oder die Filmmusik zu "Das Vaterspiel", aber auch auf die politischen Statements der Staatspreisträgerin und meinte, auf rechtsradikale Tendenzen und allgemeines Finanzdesaster anspielend: "Es gibt derzeit in Österreich nichts zu feiern - außer Olga Neuwirth selbstverständlich." Die zahlreichen Festgäste schlossen sich mit langen, herzlichen Ovationen an. (APA)