Zu politisch, zu kirchennah. Eine "Täter-Beauftragte und keine Opfer-Beauftragte". Von den Betroffenen erntete Waltraud Klasnic nur wenig Applaus für ihre Bereitschaft, in die Rolle der offiziellen Opferbeauftragten der Kirche zu schlüpfen. Doch bereits nach kurzer Zeit im Amt zeigt sich, dass die Opfer mit ihrer zum Teil scharfen Kritik falschlagen. Nicht das ÖVP-Parteibuch könnte zum Problem werden; auch nicht, dass die "Landesmutter" sonntäglich in der Kirche anzutreffen ist. Problematisch könnte eher der Begriff Ehrenamt werden.

Per Definition ist ein Ehrenamt ein ehrenvolles und freiwilliges öffentliches Amt, das nicht auf Entgelt ausgerichtet ist. Womit man im Fall von Frau Klasnic schon beim Problem wäre: Der Geschäftspartner der gemeinsamen PR-Agentur kassiert als Berater eine Kirchen-Gage, Spesen rechnet Klasnic gleich direkt über die eigene Firma ab. Ein Ehrenamt droht unehrenhaft zu werden.

Im Sinn der Opfer wäre es gewesen, solche Berührungspunkte zu vermeiden. Unabhängig zu arbeiten heißt vor allem, dafür zu sorgen, dass nicht der Eindruck entsteht, jemand könnte sich das eigene Geldbörsel durch die Hintertür füllen. Den Geldfluss damit zu begründen, dass auf eigene Ressourcen zurückgegriffen werde, klingt fadenscheinig. Solche Konstellation führen den Willen nach Transparenz ad absurdum. Echte Hilfe für die Opfer verträgt sich nicht mit steirischen Lippenbekenntnissen. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 13.4.2010)