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Herwig Hösele hält Waltraud Klasnic (u. li.) stets den Rücken frei. Auch in heiklen Fragen der Kirche lässt er seine "Landes-mutter" nicht im Stich.

Foto: APA/Gindl

Wien/Graz - Es sei eine "nicht einfache Aufgabe, aber eine Ehrpflicht", merkte Waltraud Klasnic an, als sie Ende März offiziell als unabhängige Opferschutzbeauftragte der Kirche präsentiert wurde. Und die ehemalige steirische Landeshauptfrau führe diese Tätigkeit "natürlich ehrenamtlich" aus, schickte Kardinal Christoph Schönborn umgehend nach. Doch neben Klasnic trat in der heiklen Kirchen-Causa in den letzten Wochen vor allem ein enger Vertrauter der ehemaligen "Landesmutter" verstärkt in Erscheinung: Ex-Bundesratspräsident Herwig Hösele (VP). Der langjährige Klasnic-Sekretär steht der Opferschutzbeauftragten beratend zur Seite, scheut auch keine Zeitungsinterviews zu den Missbrauchfällen.

Honorar und Spesenersatz

Heikel dabei ist, dass Klasnic und Hösele auch Geschäftsführer der im Jahr 2007 gemeinsam gegründeten Beratungs-Firma Dreischritt GmbH mit Hauptsitz in Graz sind. Die Firma, für die Klasnic und Hösele das Stammkapital von 35.000 Euro im Verhältnis von 26.000 zu 9000 Euro erlegt haben, ist unter anderem spezialisiert auf Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Und Höseles Tätigkeit als Kirchenberater ist vom Ehrenamt weit weg. "Ja, ich werde von der Kirche für meine Tätigkeit bezahlt. Aber bitte als Person, da läuft nichts über unsere Firma."

Was so nicht ganz richtig ist, denn neben dem Honorar für Hösele werden Spesenabrechnungen sehr wohl über Dreischritt abgerechnet. Hösele: "Wir stellen derzeit in Graz auch die Ressourcen für die Opferanlaufstelle zur Verfügung. Und wenn eine unserer Mitarbeiterin den ganzen Tag die Opferhotline betreut, muss das auch bezahlt werden. Die Kirche hat immer gesagt, dass sie Geld für die Infrastruktur zu Verfügungen stellt".

Doch nicht nur die Telefonkosten der Opfer-Hotline werden, zumindest derzeit, über die Klasnic-Agentur abgerechnet. Hösele: "Frau Klasnic wird viel unterwegs sein, auch mit einem Dreischritt-Dienstwagen. Natürlich werden auch diese Kosten direkt von der Agentur in Rechnung gestellt", erläutert Hösele. Und doch scheint man sich der Brisanz der Nähe von Ehrenamt und Firmenbesitz bewusst zu sein. Hösele: "Für Wien ist geplant einen Dienstleister zwischenzuschalten, der die Kosten dann abrechnet".

Aus "terminlichen" Gründen fehlen wird Klasnic beim für heute, Dienstag, anberaumten runden Tisch im Familienministerium. Justizministerin Claudia Bandion-Ortner und Staatssekretärin Christine Marek (beide VP) haben dazu 27 Experten aus unterschiedlichen Bereichen geladen. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 13.4.2010)