Zuallererst ist die Giulietta schön. Von vorn, erst recht von hinten, von der Seite sowieso – egal von welcher – und auch von innen, wie es sich mit dem legendären Namen gehört. Der neueste Alfa Romeo ist sportlich und gleichzeitig elegant, wie es nur ein Italiener sein kann: Sagen wir ein junger Alessandro Nannini in einem Armani-Anzug – ja, das kommt hin. Aber mit Unterhosen von Alessi.

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Der Stringtanga der Giulietta ist die komplett neue Bodengruppe. Statt nur mit Stahl zu arbeiten, hat man bei Alfa mit Aluminium und Magnesium versucht, das Gewicht zu reduzieren. Bei der Plattform ist das gelungen – unter anderem auch dank Xenoy, einem leichten Kunststoff, der eigens für Kraftfahrzeuge entwickelt wurde.

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Ganz eigen sind bei der Giulietta die Heckleuchten. Die auffälligen Lichter machen es erträglich, die Giulietta von hinten sehen zu müssen. Und das wird zumindest fahrend durchaus oft passieren. Der 170 PS starke Benziner, wie auch der Diesel, ziehen an wie George Clooney anscheinend neuerdings fliegende Klaviere.

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Alfa Romeo spendiert der Giulietta fünf verschiedene Turbos – Saugmotoren gibt es für sie keine mehr. Der kleinere Diesel leistet 105 PS, der kleinere Benziner 120. Ordentlich zur Sache geht es im Quadrifoglio Verde. Der vierblättrige Klee am weißen Dreieck kennzeichnet bei Alfa Romeo stets die stärkste Motorisierung: Bei der Giulietta ist das ein 235 PS starkes Triebwerk, der 1.750 TBi.

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Die maximale Leistung von 235 PS bleibt konstant, nur das Drehmoment steigt von 300 Newtonmeter auf 340 an, wenn man den D.N.A.-Schalter neben dem Ganghebel von Normal auf Dynamic stellt – A steht für All Weather, bei dem das Stabilitätsprogramm VDC besonders sensibel reagiert. Den Unterschied zwischen den einzelnen Modi spürt man so deutlich, dass der Drücker in Richtung "D" bald genauso auf die Anstart-Checklist kommt wie das Anschnallen und das Kontrollieren des Sitzes der Sonnenbrille.

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Eines hat der Quadrifoglio Verde nicht, was die anderen Motorisierungen sehr wohl haben. Nein, wir meinen jetzt nicht das Doppelkupplungsgetriebe TCT, das kommt erst später und wird für die beiden 170 PS Giuliettas lieferbar sein. Und auch nicht die zwei Zentimeter mehr Bodenfreiheit, die der sportlichsten Giulietta fehlen. Die steht aber mit den kürzeren Beinen aber eh viel fescher da. Die Sprache ist vom Start-Stopp-System, das bei allen Giuliettas serienmäßig ist, außer eben beim Quadrifoglio Verde.

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Im extrem feschen Innenraum geht es mitunter störend laut zu – vor allem im Vierklee. Das liegt aber nicht an störenden Motorengeräuschen. Die Sound-Ingenieure haben wieder ganze Romeo-Arbeit geleistet – die Turbos klingen rau wie die Schwester des bereits erwähnten Alessandro, Gianna.

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Das störende Geräusch mache ich selber, weil der auf der Rundstrecke neben mir rudernde Kollege mitunter Anbrems-, Anlenk- und Kurvenscheitelpunkt wild miteinander verwechselt. Aber das Stabilitätsprogramm VDC der Giulietta hält den Wagen vom Schotter fern. Nur wer nun lauter quietscht – die Reifen oder ich – lässt sich beim Fahrerwechsel nicht mehr eruieren. In den Ohren des Kollegen ist das einst fast schon erotische Dröhnen des aufgeladenen Benziners zu einem Klingeln verkommen.

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Überhaupt: Was die Sicherheit betrifft, möchte Alfa ganz vorn mitmischen und rechnet mit Bestnoten beim EuroNCAP-Crashtest. Mit dem Kofferraum-Volumen von 350 Liter fällt die Giulietta in der Klasse nicht auf – sonst aber schon. Denn sie ist schön. Von vorn, erst recht von hinten, von der Seite sowieso – egal von welcher – und auch von innen. (Guido Gluschitsch/DER STANDARD/Automobil/16.4.2010)

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