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Am Montag wurde in Brasilia gegen das Staudammprojekt demonstriert

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Stars wie der britische Sänger Sting machen den Protest der Indios gegen das Wasserkraftwerk Belo Monte öffentlich.

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Altamira/Bogotá - James Cameron bleibt Realist. "Es ist ein kleiner Sieg für uns", sagte der Avatar-Regisseur in Altamira am Amazonas-Nebenfluss Xingu, nachdem dort am Mittwoch ein Bundesrichter die Baugenehmigung für den Riesenstaudamm Belo Monte außer Kraft gesetzt hatte. "Aber die Schlacht ist noch nicht vorbei" , weiß der kanadische Filmemacher, der sich zuvor zusammen mit der Schauspielerin Sigourney Weaver in Brasília einer Demon- stration gegen das Mammutprojekt angeschlossen hatte.

Auch im Hinblick auf die Planungen für weitere 60 Staudämme im brasilianischen Amazonasgebiet sei Belo Monte ein "exemplarisches Schlachtfeld" . Es sei eindeutig erwiesen, dass Belo Monte direkte Auswirkungen auf den Lebensraum indigener Völker habe, heißt es in dem Urteil. Das Umweltministerium hatte die Baugenehmigung Anfang Februar erteilt und sich über die Einwände der Betroffenen und des austro-brasilianischen Bischofs Erwin Kräutler aus Altamira hinweggesetzt.

Zwölf Milliarden Baukosten

Die Baukosten werden auf zwölf Milliarden Euro geschätzt. Einer Studie der Umweltstiftung WWF zufolge wäre der dann drittgrößte Staudamm der Welt bei weitaus geringeren Investitionen in die Energieeffizienz überflüssig. Durch den Bau würden mehr als 20.000 Menschen umgesiedelt und der Regenwald in der Region um Altamira weiter zerstört.

Nun macht das Engagement der Hollywoodstars den Widerstand der Basisgruppen vor Ort weltweit sichtbar, eine ähnliche Rolle gegen das Vorläuferprojekt spielte schon 1989 der britische Musiker Sting (der jetzt auch gegen Belo Monte protestiert). Damals zog die Weltbank einen Millionenkredit zurück, die Pläne verschwanden in den Schubladen. 2010 hat sich der Wind gedreht: Der populäre Präsident Lula da Silva wirft sein ganzes Gewicht für Belo Monte in die Waagschale. Die großen Medien weiß er hinter sich, von einer nationalen Protestbewegung kann keine Rede sein. Investoren werden mit Steuerzuckerln und billigen Staatskrediten gelockt.

"Auf den Ratschlag jener, die bei sich zu Hause bereits (die Umwelt) zerstört haben, können wir verzichten", wiederholte Lula jetzt sein Lieblingsargument gegen ausländische Kritiker seiner Amazonaspolitik, "niemand sorgt sich mehr um Amazonien und unsere Indianer als wir".

Lokale Holzunternehmer fabulieren von dunklen Kräften, die die Entwicklung Brasiliens verhindern wollten.

Ursprünglich war geplant, dass am kommenden Dienstag ein Konsortium von Baufirmen den Zuschlag für Belo Monte erhalten sollte. Bis Redaktionsschluss war noch offen, ob der Einspruch der Regierung, an dem 100 Anwälte arbeiteten, raschen Erfolg haben würde. (Gerhard Dilger/DER STANDARD, Printausgabe, 17.4.2010)