Elie Wiesel als Botschafter der israelischen Politik? Im Februar startete die israelische Regierung eine Kampagne, mit der sie Israelis, aber auch Juden in der Diaspora für die Verbesserung des israelischen Images im Ausland mobilisieren will. Informations- und Diaspora-Minister Yuli Edelstein hatte die kontroversielle Idee, für dieses Projekt auch Rabbiner in aller Welt zu gewinnen.

Das Ziel ist laut Ministerium, dass Fragen über Israel von Israelis und Juden "richtig" beantwortet werden. Dass Israel völlig falsch dargestellt wird, lastet die israelische Regierung vor allem den ausländischen Medien an. Als eine Gegenmaßnahme ließ das Informationsministerium eine Serie von fiktiven Filmchen produzieren, in denen Israel-Korrespondenten lächerlich gemacht werden, die angeblich über Israel nur berichten, dass man dort auf Kamelen reite und auf offenem Feuer koche. In einem Artikel von Ethan Bronner in der New York Times wird der Politikwissenschafter Shlomo Avineri zitiert, der die Kampagne als verständlich, aber "pueril" bezeichnet.

Der Druck auf Juden, die die israelische Politik kritisieren, wird gleichzeitig immer stärker, ihnen wird leicht das Etikett Verräter umgehängt. Am schlimmsten trifft es Richard Goldstone, den Autor des Uno-Berichts über den Gazakrieg (der sowohl Israel als auch die Hamas kritisierte). Zuletzt wurde Goldstone von jüdischen Gruppen in Südafrika dazu gezwungen, seine Teilnahme an der Bar Mitzvah seines Enkels abzusagen. Goldstone sei vom "Weiniger-Syndrom" befallen, hieß es am Donnerstag in einem Haaretz-Kommentar. Der Wiener Otto Weininger (Suizid 1903) war der jüdische juden- und frauenfeindliche Autor von Geschlecht und Charakter. (guha, DER STANDARD, Printausgabe 23.4.2010)