Wien - Der Gerichtsakt der Causa Hypo Alpe Adria wird immer umfangreicher. Am Dienstag haben die Hypo-Anwälte ihre 31. Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eingebracht, sie richtet sich gegen Ex-Verantwortliche der Bank. Namentlich genannt sind die Ex-Chefs Günter Striedinger und Wolfgang Kulterer; beide waren für den Standard nicht zu erreichen. Es gilt selbstredend die Unschuldsvermutung.

In der 61-seitigen-Anzeige, die der Strafrechtler in der "CSI Hypo" , Guido Held, einbrachte (siehe Interview), geht es um seltsame Kreditgeschäfte in Kroatien. Involviert sind die Gesellschaften AB Maris und Darija; die Anzeiger vermuten hinter ihren Eigentümern Striedinger und Kulterer. Sie hätten bankintern darauf verwiesen, die wirtschaftlich Berechtigten zu kennen, sie aber nicht genannt.

Beide Projekte gemeinsam haben laut Anzeige "bisher über 80 Mio. Euro verschlungen" . Geld aus immer noch offenen Krediten (die zum Teil blanko vergeben worden seien, ohne Eigenkapitalbeitrag oder Kalkulationen der Gesellschafter) und aus Beteiligungen, die die Hypo überteuert gekauft habe. In beiden Fällen hegt man den Verdacht, die Eigentümer hätten an die 30 Mio. Euro aus den Gesellschaften gezogen.

AB Maris ist eine Projektgesellschaft, die Grundstücke für das"Ressort Porto Mariccio" in Istrien (750.000 Quadratmeter; Appartments, Villen, Fünf-Stern-Hotel, 18-Loch-Golfplatz) erwerben sollte. Die Gesellschaft wechselte laufend ihre Eigentümer; vorübergehend zählte auch ein Ex-Hypo-Anwalt dazu; in Aufsichtsräten saßen Striedinger-Verwandte.

Von 2001 bis 2006 bekam ABMaris fast 33 Mio. Euro von der Hypo geborgt; entwickelt und gebaut wurde nie, Immobilien zu Tiefstpreisen erworben. In den Augen der Hypo stieg der Wert der AB Maris trotzdem: 2004 übernahm eine Hypo-Tochter 26 Prozent um rund elf Mio. Euro. Heute sitzt die Hypo auf Beteiligung und 33 Mio. Euro Obligo.

Der Fall Darija (Tourismuspläne in der istrischen Bucht Dragonera; die Hypo sitzt auf 15 Mio. Obligo) ist noch unorthodoxer. Mitte 2003 hätte die Bank nämlich eine Option ziehen und die gesamte Gesellschaft (samt drei Mio. Kredit) um neun Mio. übernehmen können. Sie verzichtete aber. Stattdessen übernahm sie wenig später 26 Prozent - um satte 14,7 Mio. Euro. Kredite und Refinanzierung addiert, sitzt die staatliche Bank auf 32 Mio. Euro.

So dunkel die Geldflüsse, so hoch die Zahl der involvierten Gesellschaften, Liechtensteinischen Anstalten, Stiftungen: Für die Dokumente, die zur Staatsanwaltschaft gebracht wurden, brauchte man einen Klein-LKW. (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2010)