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Eine Demonstration an der University of California gegen die staatlichen Budgetkürzungen infolge der Krise im letzten Herbst. Vor allem in den USA mussten die Unis Einschnitte hinnehmen.

Foto: Reuters

Wien/Berkeley/Brüssel - Uni-Budgets kürzen oder doch in Bildung investieren? Das war die Frage während der weltweiten Wirtschaftskrise. John Douglass von der University of California hat im Frühjahr ein Paper publiziert, dass zum ersten Mal international breit analysiert, wie sich die Finanzkrise in der Hochschulpolitik niedergeschlagen hat.

"Welche Rolle spielen Investitionen in die Hochschulen bei den Strategien für eine wirtschaftliche Erholung?", ist für Douglass eine der wichtigsten Fragen - besonders vor dem Hintergrund, dass die Nachfrage der tertiären Bildung vor allem in wirtschaftlichen Krisenzeiten steigt. Dennoch: In den USA sind die Uni-Budgets im Krisenjahr gekürzt worden, nicht nur private Sponsoren sind abgesprungen, auch der Staat hat an den Unis gespart.

Europa kürzt weniger

Ein interessantes Ergebnis der Studie: Die USA und Europa haben sehr unterschiedlich auf die Krise reagiert.

Denn während die USA "unkoordinierte" Kürzungen vornahmen, haben zumindest einige Staaten in Europa das Potenzial der Unis erkannt: "Die Investition in Universitäten ist der Schlüssel zu kurzfristiger wirtschaftlicher Erholung und langfristiger Wettbewerbsfähigkeit", erklärt Douglass die Argumente jener Länder, die in Bildung investierten.

Insgesamt wurde in Europa weniger gekürzt und zögerlich, während die USA sofort und sehr massiv den Rotstift ansetzten. Als Konsequenz der Kürzungen prophezeit Douglass den USA einen Rückgang in der Akademikerquote und damit einen Nachteil im internationalen Wettbewerb um "Humankapital".

Insgesamt sind die Nachwirkungen der Krise auf die Unis vielfältig, wie Thomas Estermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter der European Universities Association in Brüssel erklärt: Kürzungen von Gehältern, Reduktion von Personal und Investitionsstopps bei Unterrichtsressourcen aller Art.

Estermanns Forschungsfeld umfasst besonders den Einfluss der Krise auf das europäische Hochschulwesen. Er sieht im heterogenen Europa fünf unterschiedlich agierende Ländergruppen: von drastisch budgetkürzenden Staaten wie Lettland bis zu dem nichts reduzierenden Skandinavien.

Österreich: Leere Versprechen

Österreich teilt er zwei Gruppen zu. Zum einen den Ländern, "die nicht unbedingt direkt während der Krise, sondern schon im Vorhinein Vereinbarungen zum Kürzen getroffen haben", und zum anderen jenen, "die Budgeterhöhungen versprochen, aber nicht umgesetzt haben."

Was ist nun die richtige Reaktion auf die Krise? Zwar lasse sich das nicht mit einem Wort sagen, Estermann empfiehlt aber, sie als "Chance für eine Innovation auf institutionellem Level" zu sehen - und fürs Erste einmal sparsam zu sein - das habe sich mehr bewährt, als nach alternativen Finanzquellen zu suchen, weiß Estermann. Denn: "Zu wenig Budget von der öffentlichen Hand durch mehr private Gelder zu kompensieren ist in kurzen Zeiträumen nicht möglich." (Sara Mansour Fallah, DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2010)