Woher sie wusste, dass sie das Richtige tut, wird Rachel gefragt. "In dem Moment habe ich weder etwas gedacht noch gefühlt", erzählt sie. "Als ich die Kugel abfeuerte, da dachte ich nur an meine Mutter und an das, was sie durchgemacht hat." Rachel tötete als eine von drei Mossad-Agenten 1964 den Nazi-Verbrecher Maximilian Rainer - "Chirurg von Birkenau".

Foto: ARTE/Evanstone Films

"Mit letzter Kraft konnte Rachel ihre Waffe ziehen und einmal abfeuern, bevor sie das Bewusstsein verlor." Vierzig Jahre nach der Hinrichtung lässt sie sich feiern, signiert Bücher, erinnert sich öffentlich. Rachel ist eine Heldin.

Nur stimmt das alles nicht.

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Mit einer Lüge beginnt das aufwühlende Drama "Der Preis der Vergeltung", heute, 20.15, Arte. Der Auftrag 1964 misslingt, der Nazi-Arzt flieht und taucht 30 Jahre später plötzlich wieder auf. Er verspürt Reue und will seine Verbrechen beichten. Erneut beginnt eine Jagd. In Rückblicken erfahren die Zuschauer von den Geschehnissen. Rainer betreibt nach dem Krieg eine Praxis in Berlin, Rachel schleust sich als Patientin ein.

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"Der Preis der Vergeltung" beruht nicht auf wahren Begebenheiten und erhält in der Möglichkeit der Nonfiction seinen Schrecken. Gila Almagor als Rachel und Edgar Selge als jugendlicher Nazi-Arzt versehen ihre Rollen mit wohldosierten Motiven aus Angst und Entschlossenheit.

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Der Film des israelischen Regisseurs Assaf Bernstein nimmt sich des Traumas der Kinder der Opfergeneration an. Das interessiert auch Hollywood: Miramax sicherte sich die Rechte an dem israelischen Film aus dem Jahr 2007 für ein Remake unter der Regie von John Madden, mit Helen Mirren und Sam Worthington. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2010)

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