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Monika Mann, Tochter des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, war das vierte von insgesamt sechs Kindern. Sie starb 1992 in Leverkusen. Auch am Grab der Familie sind Hierarchien abzulesen.

Foto: REUTERS/Siggi Bucher

„Falls ich Ihnen kein Begriff bin: das vierte der sechs ungeratenen Mann-Kinder" - so stellte sich einst Monika Mann selbst vor (1972, Briefdokument). Bekanntheit kann die im Jahr 1910 geborene Mann-Tochter tatsächlich erst jetzt erringen, da die Biografin Karin Andert ihre Lebensgeschichte porträtiert und Hannelore Elsner aus ihren New Yorker Tagebuch liest. Literaturkritiker und Filmemacher sahen an ihr vorbei oder sie orientierten sich am Urteil Katia und Thomas Manns: Diese stellten ihre Tochter als minderwertig und sonderbar dar.

Ignoranz eines Traumas

Die Familie des Nobelpreisträgers Thomas Mann ist für die Deutschen so etwas wie die Königsfamilie in Großbritannien - und tatsächlich wurden sie auch schon "Die deutschen Windsors" genannt. Doch das Leben der Tochter Monika bleibt lange im Schatten. Die deutsche Schriftstellerin und Feuilletonistin Monika Mann übt sich in Jugendjahren zunächst vielversprechend am Klavier, aus Mangel an Anerkennung in der Familie bricht sie dies ab und verbringt Jahre in Paris, München, Frankfurt und Berlin. Ihr Leben und den Besuch kunsthandwerklicher Schulen finanzieren die Eltern.

Im Mai 1933 emigriert sie und folgt ihrer Familie nach Sanarysur-Mer. Im Jahr 1934 nimmt sie in Florenz ihr Klavierstudium wieder auf und begegnet dem aus Ungarn stammenden Kunsthistoriker Jenö Lányi, ihrem späteren Ehemann. Nach dem Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft nimmt sie die tschechoslowakische an. 1940 erhält das Ehepaar in England von der kanadischen Regierung die ersehnten Einreisepapiere und kann dem Londoner Blitzkrieg entkommen. Die Überfahrt nach Kanada endet jedoch in einer Katastrophe. Bei der Torpedierung des Schiffes durch ein deutsches U-Boot kommt Monika Manns Ehemann ums Leben. Es ist ein Verlust, der für lange Zeit ihre Gefühlswelt prägt. Monikas Rettung durch einen englischen Zerstörer und ihr erneuter Aufbruch von Schottland führt aber nicht wirklich in ein neues Leben. In Amerika ignorieren ihre Eltern ihre Traumatisierung und ihren Drang nach einem Neuanfang.

Zwischen Musik und Text

Von 1943 bis 1952 lebt sie allein in New York. Nach einem erneuten Versuch, als Pianistin zu leben, wendet sie sich der schriftstellerischen Tätigkeit zu. Trotz amerikanischer Staatsbürgerschaft sieht sie ihr zukünftiges Leben in Europa. In einer landschaftlich schönen Gegend, auf Capri, lebt sie wunschgemäß schließlich 32 Jahre lang und schreibt fünf kleine Bücher und publiziert regelmäßig in Schweizer Zeitungen und deutschen und italienischen Zeitschriften ihre Feuilletons. Ihre letzten Lebensjahre verbringt sie im familiären Umfeld ihres Bruders Golo in Pflege. Am 13. März 1992 stirbt sie in Leverkusen. (red)