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"Diese öffentliche Nicht-Anerkennung, unter der unsere absoluten Weltklasse-Leute wie Julian oder auch Oliver leiden, ist völlig unberechtigt"

Foto: APA/EPA/Trueba

London/Wien - Erstmals steht Melzer im Doppelfinale eines Grand-Slam-Turniers, und der Niederösterreicher machte vor dem Endspiel an der Seite des deutschen Philipp Petzschner gegen die schwedisch-rumänische Paarung Robert Lindstedt/Horia Tecau kein Hehl daraus, dass ein Sieg gleichbedeutend mit dem größten Erfolg seiner Karriere wäre. Größer also noch als auch das jüngst erreichte Paris-Semifinale. "Es würde sehr viel bedeuten. Soviel, dass es der größte Erfolg meiner Karriere wäre, wenn wir das am Samstag gewinnen", bekräftigte Melzer nach dem Halbfinal-Sieg gegen Moodie/Norman in seinem Blog auf tennisnet.com.

"Wimbledon-Sieger, wie geil wäre das bitte?", fragte Melzer, der 1999 schon Wimbledon-Sieger im Einzel bei den Junioren war. "Aber am Samstag geht's darum, sich einen Lebenstraum jedes Tennisspielers zu erfüllen: bei den Herren Wimbledon-Sieger zu werden."

Kein "nur"

Ein "nur", weil es sich lediglich um das Doppel handle, lässt der im Einzel im Achtelfinale gegen Roger Federer ausgeschiedene Melzer nicht gelten. "Diese öffentliche Nicht-Anerkennung, unter der unsere absoluten Weltklasse-Leute wie Julian (Knowle) oder auch Oliver (Marach) leiden, ist völlig unberechtigt und ungerecht", sagte Melzer und klärte auf: "Es ist eine andere Herausforderung, fast eine andere Disziplin als das Einzel. Es gibt viele Spezialisten, die auf das Doppel konzentriert hintrainieren. Sich gegen die als jemand zu behaupten, der sein Hauptaugenmerk aufs Einzel legt, das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit."

Nach Wimbledon wird Melzer in der Einzel-Weltrangliste 15. sein und dank des Doppel-Erfolges in England das mit Abstand beste kombinierte Einzel- und Doppelranking von allen Spielern haben. "Es ist natürlich reine Arithmetik, weil es keine solche 'Kombination' wie im Skifahren gibt. Aber es sagt doch auch was über die Position aus, die ich mir im Welttennis erkämpft habe."

Julian Knowle als Vorreiter 2004

Melzer ist erst der zweite Österreicher im Doppel-Finale des Rassenklassikers und eines Grand-Slam-Turniers in der Profi-Ära. 2004 war Julian Knowle, der 2007 gemeinsam mit dem Schweden Aspelin die US Open gewonnen hatte, erst im Endspiel auf dem "heiligen Rasen" gescheitert.

73.500 Euro haben Melzer/Petzschner jeweils schon sicher, im Finale gegen die als 16 gesetzten Lindstedt/Tecau geht es jetzt um alles. "Die haben nur einen Schalter ON und einen Schalter OFF. Sie haben 98 Prozent der Punkte nach dem ersten Aufschlag gewonnen, 78 Prozent nach dem zweiten", sagte Melzer in seinem Blog. "Sie ziehen beim Return auf alles erbarmungslos durch. Sie spielen ganze Games alles an die Plane, dafür schießen sie dir auf einmal vier Winner rein", weiß Melzer und erwartet: "Wenn alle vier am Samstag ihre Nerven im Zaum halten, dann müssen wir wahrscheinlich drei Tiebreaks gewinnen."

Sollten Petzschner und er am Samstag bei der Siegerehrung feuchte Augen haben, müsse das nicht unbedingt an der Rührung liegen, so Melzer. "Wir leiden beide gerade ziemlich unter unseren Gräser-Allergien. Bei mir gehört das mittlerweile zu Wimbledon wie die Erdbeeren." (APA)