Das Projekt Paradiso wuchs über den Spatenstich von Ernst Fuchs (li.) und Bürgermeister Michael Häupl nicht hinaus. Die Hypo Kärnten blieb auf Millionen-Krediten sitzen. Auch die Bank Austria hat teure Erfahrungen mit den Initiatoren gemacht.

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Ex-FPÖ-Funktionär Gernot Rumpold kassierte 417.000 Euro für das nie realisierte Projekt "Paradiso" . Dessen Initiatoren haben neben Hypo Kärnten auch die Bank Austria Geld gekostet.

Wien – Einer der Stränge der Hypo Alpe Adria führt nach Wien-Hütteldorf bzw. Thailand. Rund ums Areal der Otto-Wagner-Villa des Malers Ernst Fuchs wollten, wie berichtet, die Brüder Michael und Stephan Messner (Sohn und Stiefsohn Fuchs') 2005 den Erlebnispark "Paradiso Museum und Kulturpark" errichten. DieGemeinde Wien räumte ein Baurecht ein, die Kärntner Hypo bewilligte 7,5 Mio. Euro Kredit, zahlte mehr als die Hälfte davon prompt aus. Kreditnehmer war die Kunstpark Wien Privatstiftung (Stifter: die Brüder Messner; im Vorstand saß damals auch der Wiener Ex-Sportamtschef, Ferdinand Podkowicz). Doch es blieb bei Broschüren, Presseinfos und Spatenstichfeier am 25. August 2005 unter feierlicher Mitwirkung von Fuchs und Bürgermeister Michael Häupl. Aus Paradiso wurde nichts.

Der flott ausgezahlte Kredit (mit Fuchs-Skulpturen besichert, um deren Werthaltigkeit heute gestritten wird) wurde nicht zurück gezahlt. Ein Großteil des Geldes soll auf monegassische Konten geflossen sein – die Betroffenen dazu zu befragen, ist schwierig: Die zwei Paradiso-Initiatoren leben längst in Thailand. Die Causa liegt nun bei der Staatsanwaltschaft. Thema ist auch ein (nicht zustande gekommener) Skulpturenpark für einen Kärntner Schlossherrn.

Eingefädelt hatte den Kredit für Paradiso, wie berichtet, Ex-FPÖ-Bundesgeschäftsführer Gernot Rumpold, der auch für Paradiso-Vorarbeiten zuständig war. Gerüchtehalber bekam er 700.000 Euro, was er im Mai auf Standard-Frage bestritt: "Mein Honorar betrug rund 120.000 Euro".

417.000 Euro für Rumpold

Das ist nicht ganz korrekt.

Die Paradiso Privatstiftung überwies Rumpolds PR-Agentur 100 % Communications Ende Juni 2005 insgesamt 417.00 Euro: 225.000 Euro als "Provisionshonorar" und 192.000 Euro als "Agenturhonorar" . Rumpold erklärt das heute so: "In Paradiso steckte ja auch viel Medienarbeit, wir haben eine Homepage gemacht, ein Gutachten und die Spatenstichfeier organisiert." Die "rund 120.000 Euro" will er nun als Gewinn verstanden wissen, "das ist der Betrag, der uns ungefähr übrig geblieben ist". Ob er ausschließen kann, dass von den 400.000 Euro etwas bei Parteien landete? Rumpold: "Das kann ich hundertprozentig ausschließen."

Kennengelernt hatte Rumpold die Paradiso-Erfinder 2003, rund um die Billig-Einkaufsstadt Excalibur-City von Ronnie Seunig. Für selbige hatten die Brüder Messner diverse Figuren herstellen lassen (in Bangkok, wo sie dem Vernehmen nach auch Gussformen für Skulpturen ihres Vaters erzeugt haben). Seunig plante damals auf dem Areal bei Kleinhaugsdorf einen "Lügenpark", auf dem er "die größten Lügen der Menschheit" sozusagen plastisch darstellen wollte. Realisiert wurde das Projekt dann aber nicht.

In der Bank Austria freilich müsste der Name "Land der Lügen" alte Wunden aufreißen. Unter diesem Projektnamen räumten sie Messners 2003 rund 400.00 Euro Kredit ein; "für die Errichtung eines Vergnügungsparks im Osten", wie es in Dokumenten heißt. Als Sicherheit gab es neun, von einem Sachverständigen bewertete, Fuchs-Bilder – das war auch zweckdienlich, weil der Kredit nicht rück gezahlt wurde.

Die Folge: Die Bilder wanderten ins Dorotheum, um dort (man schrieb inzwischen das Jahr 2007) ihrer Verwertung zugeführt zu werden; zuvor waren vier Bilder in einem Versteigerungskatalog vorgestellt worden. Das wiederum rief, kurz vor Weihnachten 2007, Ernst Fuchs auf den Plan.

Der Maler gab schriftlich eine "Unechtheitsbescheinigung" ab: Er signiere anders, die Bilder aus dem Katalog stammten nicht von ihm, gab er zu Protokoll. Der zu Rate gezogene Gutachter von einst befand, dass diese Bilder andere seien, als die, die er einst begutachtet hatte. Zwei der Bilder sollen zu dem Zeitpunkt bereits versteigert worden sein, was eine peinliche Rückabwicklung zur Folge hatte.

Das Ende vom Lied: Die Bank sah ihr Geld nicht wieder, hat dafür aber vermeintliche "Fuchs" -Bilder im Depot. Die Causa "Land der Lügen" hat die Bank 2008 angezeigt, die Staatsanwaltschaft Wien stellte das Verfahren aber im Vorjahr ein; einem Fortführungsantrag der Bank wurde nicht stattgegeben. Die Bank Austria (BA) will all das weder bestätigen noch kommentieren – ihr Sprecher beruft sich aufs Bankgeheimnis.

Wäre es 2005 nach Messners gegangen – so ist aus Kärntner Bankkreisen zu hören – hatten die auch den Paradiso-Kredit ursprünglich bei der BA beantragt. Mit dem Geld, das sie auf den ehemaligen Gründen des Kinderfreunde-Parks "Paradies" in Hütteldorf verdient hätten, wollten sie ihre BA-Schulden begleichen. Die BA habe abgelehnt, die Hypo Kärnten sprang ein, dank Rumpolds wertvoller Kontaktherstellung. In allen genannten Fällen gilt die Unschuldsvermutung. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.7.2010)