Graz - Was man in der Steiermark schon ahnte, goss eine von der steirischen Arbeiterkammer in Auftrag gegebene Studie nun in Zahlen: Seit 2008 war die Wirtschaftskrise für Mitarbeiter im Produktionssektor in der Steiermark - auch bundesweit - am stärksten negativ spürbar.

Mit 60,8 Prozent liegen die steirischen Arbeiter hier deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von 56 Prozent, auch vor Oberösterreich, wo rund 58 Prozent der Industriearbeiter die Auswirkungen der Krise ausbaden mussten. Die häufigsten Maßnahmen waren in der Steiermark mit je 51,7 Prozent der Abbau von Urlauben und Kündigungen, während 40,9 Prozent der Beschäftigten in ihrer Firma mit Kurzarbeit konfrontiert waren.

Dass Oberösterreich und die Steiermark besonders betroffen sind, liege daran, so Studienautorin Claudia Brandstätter im Standard-Gespräch, "dass beide eine starke Tradition als Industriestandorte haben" .

Innerhalb des Industriesektors habe es "die Autoindustrie und alle, die hier ihren Schwerpunkt haben, besonders hart getroffen" - deswegen der traurige Spitzenplatz der Steiermark mit ihrem Auto-Cluster. Hier sagten 82,1 der Befragten, die Krise "ganz besonders" gespürt zu haben. Sieht man sich die Entwicklung der Zahlen der unselbstständig Beschäftigten in der Steiermark am gesamten Produktionssektor von Mai 2008 bis Mai 2010 an, so ist diese von 146.752 auf 135.109 gesunken, wobei die Talfahrt im letzten Jahr mit einem Minus von 1,9 weniger rasant war als im ersten Jahr mit einem Abbau von 6,2 Prozent.

"Vorsichtiger Optimismus"

Trotz großer Skepsis - immerhin erwarten rund 17 Prozent der Befragten noch immer weitere Kündigungen in ihrem eigenen Unternehmen - setzt sich aber laut Studie bei allen Industrie-Beschäftigten "vorsichtiger Optimismus" durch. "Seit 2010 ist eine Entspannung bemerkbar, auch weil es wieder mehr Aufträge in den Betrieben gibt" , erklärt Brandstätter.

Waren Beschäftigte der Autoindustrie vorübergehend die Verlierer der Krise, so könnte man jene, die in einer Firma der Energie- oder Umweltbranche arbeiten, als Gewinner - oder zumindest als am wenigsten betroffen - bezeichnen. Von ihnen gaben nur 4,1 Prozent an, überhaupt persönlich etwas von der Krise gespürt zu haben. Brandstätter betont: "Das Zukunftspotential liegt ganz eindeutig in dieser Branche, auch wenn es meist kleinere Betriebe mit unter 100 Beschäftigten sind." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.7.2010)