Ausstellung im Stifterhaus: Die feministische Autorin Marlen Haushofer.

Foto: Sybillld Haushofer / Stifterhaus Wien

Linz - Vor zwölf Jahren zeigte man im französischen Namur eine Ausstellung zu Marlen Haushofer, die den Untertitel "österreichische Schriftstellerin" trug. Teils wohl eine erklärende Anmerkung, denn abseits feministischer Literaturkritik galt die 1920 geborene Autorin als große Unbekannten der heimischen Nachkriegsliteratur.

Andererseits - und dazu veranstaltete man in Namur ein Kolloquium - sind bei Haushofer neben den Geschlechterrollen schriftstellerische Aspekte wie Produktionsbedingungen, Narrationsmuster oder Rezeptionsgeschichte von Interesse. Ein weites Spektrum, in dessen Brennpunkt Haushofer als weibliche Nachkriegsschriftstellerin exemplarisch steht.

Diesen Ansatz verfolgt man auch in Linz. Kuratorin Christa Gürtler erweist in der Ausstellung Ich möchte wissen, wo ich hingekommen bin! Marlen Haushofer (1920-1970) Haushofers Sprache Reverenz, in dem sie die Wände des Schauraums großflächig mit Zitaten beschriften ließ.

Diese spüren dem Topos der Wand nach, der bei Haushofer abseits des gleichnamigen Romans stark präsent ist. Eine Wand, die zwischen den Geschlechtern steht, Trennlinien, die sich zwischen den Lebenswelten der Autorin auftun, die am Küchentisch schreibt und zuvorderst Hausfrau und Mutter sein muss.

Beklemmung vs. Neugier

Gestalterin Viktoria Schlögl gelingt es, beim Besucher eine Balance zwischen Beklemmung und Neugier zu evozieren, die quer durch die Ausstellung anhält. Haushofers Lebens- und Arbeitswelten werden in drei mit Werktiteln und Zitaten beschriftete Boxen verpackt. Die Kindheit, der Himmel, der nirgendwo endet, ist noch ein nach oben offener Kubus, während das Leben in Steyr eine tapezierte Mansarde ist, deren Inneres mit Packpapier vollgestopft ist.

Box Nummer drei verhandelt schließlich als Guckkasten. Eine Handvoll Leben, also Autobiografisches, vom Schriftverkehr mit Jeannie Ebner, Mentor Hans Weigel und Freund Oskar Jan Tauschinski bis zu Video-Statements von Schriftstellerkollegen. (Wolfgang Schmutz, DER STANDARD/Printausgabe, 1307.2010)