London/São Paulo - BP braucht Geld, um die Folgen der Ölkatastrophe schultern zu können. Der Konzern will Unternehmensanteile verkaufen. Details dazu dürften bald folgen: Nach einem Bericht der Financial Times könnten noch vor Veröffentlichung der Quartalszahlen am 27. Juli die ersten Verkäufe bekanntgegeben werden. British Petrol hofft durch die Trennung von Beteiligungen 20 Mrd. Dollar erlösen zu können.

In Brasilien herrscht unterdessen in Bezug auf Tiefseebohrungen Goldgräberstimmung. Brasiliens staatlicher Ölkonzern Petrobras hat am Donnerstag vor der Atlantikküste des südamerikanischen Landes mit der Ausbeutung von Ölvorkommen in großer Meerestiefe begonnen.

Aus einem knapp 5000 Meter tief liegenden Ölfeld vor der Küste des Bundesstaates Espírito Santo sollen zunächst 13.000 Barrel (2,1 Millionen Liter) Öl pro Tag gefördert werden, wie Petrobras mitteilte. Bis Ende 2010 würden mehrere Bohrlöcher mit einer Plattform verbunden und die Förderung dann bei bis zu 100.000 Barrel am Tag liegen.

Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva sagte: "Wenn das Öl Brasilien gehört, wollen wir auch, dass 190 Millionen Brasilianer vom Ölgeld profitieren." Er verteidigte die Investitionen in die Erforschung und Förderung der Vorkommen und kritisierte zugleich den Umgang mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. "Was dort passiert ist, war kein Unfall, sondern ein Desaster." Man werde nicht erlauben, dass so etwas in Brasilien passiere.

Vor der Küste Brasiliens wurden in den vergangenen Jahren riesige Ölvorkommen entdeckt, die aber in erheblicher Tiefe von einigen tausend Metern und unter einer dicken Salzschicht liegen. Die Förderung gilt als teuer. Die Regierung verspricht sich aber Milliarden-Einnahmen. Allein im "Tupi" -Feld werden schätzungsweise fünf bis acht Milliarden Barrel Öl vermutet. (dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 17.7.2010)