Wenn sich die Präsidenten Mittelamerikas am Dienstag in San Salvador versammeln, steht ein Thema ganz oben auf der Tagesordnung: die Bekämpfung des Drogenhandels. Zwar richtet sich die Aufmerksamkeit eher auf Mexiko und Kolumbien, doch um Zentralamerika steht es nach Auffassung der Uno schlimmer: "Mittelamerika hat weniger Kapazität bei der Kriminalitätsbekämpfung", erklärte der Vertreter des UN-Büros gegen Drogen (UNODC), Antonio Luigi Mazzitelli. "Es ist in aller Interesse, dass es keinen Staat gibt, in dem Kartelle freie Hand haben."

Klare Worte fand auch Costa Ricas Außenminister René Castro: "Der Erfolg von Mexiko und Kolumbien bei der Bekämpfung der Kartelle hat dazu geführt, dass sie ihr Geschäft nach Mittelamerika verlagern." Die Kartelle seien "eine latente Bedrohung für unsere Sicherheit"

Daher wollen die Länder einen gemeinsamen Aktionsplan erarbeiten, um Kartelle zu bekämpfen, die ihr Territorium "verlegen" . Prioritär soll dabei eine bessere Zusammenarbeit der Geheimdienste und Fortbildung der Polizeikräfte sein. Mexiko und Kolumbien wollen Schützenhilfe leisten.

Auch die USA unterstützen die mittelamerikanischen Länder finanziell und militärisch: Washington beunruhigt das Destabilisierungspotenzial des Drogenhandels in den kleinen Ländern Mittelamerikas und der Karibik.

So kam es jüngst in Jamaika zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen, als die Regierung einen Drogenboss festnehmen ließ und an die USA auslieferte. In Guatemala ist nach Aussagen des zurückgetretenen UN-Chefermittlers Carlos Castresana die Justiz bis in höchste Sphären vom organisierten Verbrechen infiltriert. Exekutive und Legislative unternähmen wenig gegen Kriminelle. In Honduras starten und landen täglich Kleinflugzeuge mit Kokain. In Nicaragua wurden jüngst Drogenlabors ausgehoben.

Und der salvadorianische Sicherheitsexperte Joaquín Villalobos fasst das Risikopotenzial wie folgt zusammen: schwache Staaten, ein hohes Gewalt- und Armutsniveau, Mobilität durch Migration, kleine Volkswirtschaften mit wenig Widerstandskraft gegenüber den Drogenmillionen - und der Tourismus mit dem damit verbundenen Drogenkonsum. (Sandra Weiss aus Puebla /DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2010)