Kampala - Wenn alles nach Plan gegangen wäre, hätten die Vertreter der 53 Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union (AU) bei ihrem Gipfeltreffen in Ugandas Hauptstadt Kampala für die Zukunft geplant.

Die Bekämpfung der Kinder- und Müttersterblichkeit stand ebenso auf dem Programm wie panafrikanische Infrastruktur oder Diskussionen mit Vertretern der "afrikanischen Diaspora", wie Präsident Yoweri Museveni die Länder etwa der Karibik mit hohem Anteil afrikanischstämmiger Bevölkerung nennt. Doch stattdessen werden die Staats- und Regierungschefs ihre Zeit wohl erneut damit verbringen, über die Krisenherde des Kontinents zu beraten.

Eine Woche nach dem Doppelattentat von Kampala steht Somalia ganz oben auf der Agenda. Nachdem die islamistische Shabaab-Bewegung sich zu den Anschlägen bekannt hat, ist der Druck groß, die AU-Mission in Somalia (Amisom) zu verstärken. Zwar will Uganda in den kommenden Wochen weitere 2000 Soldaten nach Somalia entsenden, womit endlich die seit drei Jahren angestrebte Zahl von 8000 AU-Soldaten erreicht wäre. Doch ugandische Militärs schätzen, dass mindestens 20.000 Soldaten gebraucht werden, um die weitgehend machtlose Übergangsregierung von Sharif Sheikh Achmed zu unterstützen. Die AU wird diskutieren müssen, woher die fehlenden Soldaten kommen sollen.

Nigeria und Ghana, die Amisom ursprünglich unterstützen wollten, dann aber einen Rückzieher machten, stehen besonders in der Pflicht: Die Armeen beider Länder sind groß und erfahren in Auslandseinsätzen. Womöglich werden die Staats- und Regierungschefs an den Westen appellieren, die afrikanische Truppe zu finanzieren und auszustatten. (men/DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2010)