Belgrad - Das offizielle Belgrad hat erneut seine Entschlossenheit bekräftigt, sich nach der bevorstehenden Veröffentlichung des Rechtsgutachtens des Internationalen Gerichtshofes (IGH) zum Kosovo für eine "ausgewogene Resolution" in der UNO-Vollversammlung einzusetzen. "Es ist unser wahres und einziges Ziel, einen Kompromiss zu erzielen, welcher die Rechte der Kosovo-Albaner sowie die Rechte der dort lebenden Serben sowie die Interessen des serbischen Staates berücksichtigen muss", erklärte Vizepremier Bozidar Djelic.

In einer UNO-Resolution will Serbien laut Djelic seine Bereitschaft zu einem "Kompromiss über alle Fragen, einschließlich des Status (des Kosovo)" bekunden. "Wir werden dadurch unsere Flexibilität an den Tag legen, was die Bedürfnisse der albanischen und aller anderen Volksgruppen im Kosovo angeht", unterstrich der Vizepremier laut heutigen Medienberichten. Gleichzeitig bekräftigte er, dass Serbien die "Unabhängigkeit der südlichen Provinz" nie anerkennen werde. 

Serbien: Weltweit 45 "unsichere" Staaten bezüglich Anerkennung des Kosovo

Einen weiteren diplomatischen Schritt gegen die vor zweiundhalb Jahren ausgerufene Unabhängigkeit des Kosovo will Djelic schon am Donnerstag beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union in Kampala unternehmen. Etwa Dreiviertel der 53 Mitgliedstaaten haben den Kosovo bisher nicht anerkannt, berichtete die Tageszeitung "Danas" am Dienstag. Der serbische Vizepremier will in Kampala dem Blatt zufolge intensiv gegen die Anerkennung der kosovarischen Unabhängigkeit werben.

Eine bestimmte Anzahl der Mitglieder der Afrikanischen Union werden in Belgrad laut "Danas" als "unsichere" Staaten, bzw. als Länder gesehen, die sich unter dem Einfluss der USA und anderer Staaten, die den Kosovo anerkannt haben, auch dazu entschließen könnten. In diese Gruppe fallen nach Ansicht Belgrads weltweit 45 Länder, berichtete "Danas". Der kosovarische Außenminister Skender Hyseni bekundete in den letzten Tagen die Erwartung, dass nach dem für Donnerstag angekündigten IGH-Gutachten sein Land in Bälde von 35 weiteren Staaten anerkannt werden dürfte. Bisher haben 69 Staaten die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt, darunter die USA und 22 EU-Länder, darunter auch Österreich.

Laut kosovarischen Medienberichten hat die EU-Außenministerin Catherine Ashton unterdessen den britischen Diplomaten Robert Cooper damit beauftragt, in Zusammenarbeit mit UNMIK-Chef Lamberto Zannier in dem erwarteten Dialog zwischen Belgrad und Prishtina über "technische Fragen" zu vermitteln.

Forderungen der serbischen Opposition

Die serbische Regierungskoalition sieht sich unterdessen mit Forderungen der Opposition - der nationalkonservativen Demokratischen Partei Serbiens (DSS) des ehemaligen Premiers Vojislav Kostunica und der Liberaldemokratischen Partei (LDP) von Cedomir Jovanovic - konfrontiert, nach dem IGH-Gutachten eine Parlamentssitzung zum Kosovo einzuberufen. Die zwei Oppositionsparteien vertreten dabei völlig entgegengesetzte Standpunkte. Während die DSS der Regierung vorwirft, den Kosovo "verkaufen" zu wollen, ist die LDP darum bemüht, eine erneute "Kosovisierung" der serbischen Politik zu vermeiden. Die LDP versteht darunter offenbar die nichtrealistischen Hoffnungen der Behörden auf eine erneute Eingliederung des Kosovo in Serbien.

Belgrad war in den letzten Monaten seitens der USA und anderer Staaten, die den Kosovo anerkannt haben, immer wieder darauf aufmerksam gemacht worden, dass auch das IGH-Gutachten daran nichts ändern wird und dass die Unabhängigkeit des Kosovo ein abgeschlossener Prozess ist. (APA)