Wien - Am Dienstag stürmten SexarbeiterInnen eine Pressekonferenz mit Eric Goosby, seines Zeichens globaler Aids-Koordinator der USA, der im Rahmen der Konferenz AIDS 2010 in Wien weilt. Sie skandierten: "Goosby tötet Sex Workers." Der ranghohe US-Repräsentant flüchtete, flankiert von seinen Leibwächtern, durch den Hinterausgang.

Hintergrund des Protestes ist die Kritik an der Anti-Prostitutionshaltung des US-HIV-Programms PEPFAR, für das Goosby mitverantwortlich zeichnet.

Gegen Prostitution und Menschenhandel ausgerichtet

Mit dem milliardenschweren PEPFAR (President's Emergency Plan for Aids Relief), 2002 von George Bush initiiert, wurde unter anderem ein Fokus auf HIV-Prävention gelegt und die multilaterale Koordinierung verstärkt. Zugleich wird von NGOs, welche die öffentlichen Gelder in Anspruch nehmen wollen, verlangt, eine Haltung gegen Prostitution und Menschenhandel einzunehmen. Diese sogenannte "Anti-Prostitution Pledge" wurde 2003 initiiert - zunächst für ausländische Organisationen, seit 2005 auch für US-Initiativen.

"Wir sind keine Tiere"

Deshalb trugen die DemonstrantInnen Schilder mit der Aufschrift "PEPFAR kills People". "Wir fordern Rechte - wir wollen nicht euer Geld", beschied eine aus Nigeria stammende Demonstrantin, begleitet vom Chor der KollegInnen: "Die Rechte von SexarbeiterInnen sind Menschenrechte". Sexarbeit sei eine Arbeit, weshalb das Verhalten der US-Regierung eine Schande sei: "Wir sind keine Tiere."

Nachdem die AktivistInnen nach wenigen Minuten den Pressekonferenzsaal wieder verlassen hatten, wurde die Pressekonferenz, deren Thema die männliche Beschneidung war, wieder aufgenommen - allerdings ohne Eric Goosby. (APA)