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Dietrich Mateschitz war in Bad Gastein wirklich gut aufgelegt. Und er versprach, dass Red Bull niemals Olympische Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften sponsern wird.

Foto: APA/ Gindl

Bad Gastein - Das erste Wort hat die Red-Bull-Pressesprecherin. "Keine TV-Kameras, kein Radio, das war ausgemacht." Das ist (fast) immer ausgemacht, wenn Dietrich Mateschitz auftritt, Chef von Red Bull, der bekanntesten österreichischen Weltmarke, dem Weltmarktführer bei Energy-Drinks. Mateschitz war am Donnerstag der Stargast der Jahrestagung von Sports Media Austria, der Vereinigung der österreichischen Sportjournalisten. Die Tagung passiert in Bad Gastein, kein Zufall, hier wird derzeit auch Damen-Tennis gespielt, die Veranstalter hoffen auf medialen Niederschlag, wenn schon einmal so viele Berichterstatter zugegen sind.

Das Hoteldorf "Grüner Baum" wäre kein Hoteldorf, würde es nicht auch über Seminarräume verfügen. Ein Raum heißt "Freud", ein anderer heißt "Jung", für Mateschitz wurde Freud reserviert, Freud ist größer als Jung, Freud bietet gut hundert Menschen Platz, und Freud geht jetzt förmlich über, auch ohne TV-Kameras und Radio-Mikrofone. Mateschitz, der sich laut Forbes in der weltweiten Reichenrangliste mit seinem Vermögen (3,7 Milliarden Dollar) vom 260. auf den 151. Rang verbesserte, nimmt am Podium Platz. Einerseits flankiert von Sportjournalisten-Präsident Michael Kuhn, andererseits von einem Salzburger Sportjournalisten, der die Fragen stellt, man kennt sich, ist per Du.

Die erste Frage, wenn man schon in diesem Raum sitzt, gilt der Sponsoring-Philosophie. "Red Bull", sagt Mateschitz, "muss integriert sein. Red Bull ist nicht Chelsea, nicht Ferrari. Red Bull ist Fußball, Red Bull ist Formel 1." Die Frage, ob Red Bull auf Sportsponsoring oder der Sport auf Red Bull angewiesen sei, stelle sich nicht. "Das ist wie die Frage, ob ich das linke oder das rechte Bein mehr brauche, um zu gehen."

Es ist ein freundlicher Rahmen, den sich Mateschitz für seinen Auftritt ausgesucht hat. Der Sportjournalismus lebt irgendwie vom Sport, der irgendwie auch von Red Bull lebt. "Wir sind Content-Provider", sagt Mateschitz. "Wir bieten sehr viele Inhalte, sind bei den Medien anerkannter Partner, sie greifen auf unsere Inhalte zurück." Am Ende will Red Bull einen Schritt weiter sein, sich selbst "mit Red-Bull-TV über sozio-demografische Strukturen hinwegsetzen" - Servus-TV sei nur ein Pilot-Sender. Ihm selbst etwa, sagt Mateschitz, "einem 66-Jährigen, dürfte U2 nicht mehr gefallen". Doch U2 gefalle ihm.

Quehenberger: Mariazell? 

Um die Fußball-Bundesliga-Rechte habe man mitgepokert, um bei UPC den Zugang zu mehr als einer Million Haushalte in Ostösterreich zu bekommen. Heute sagt Mateschitz, er habe den Zuschlag "Gott sei Dank nicht bekommen", denn Red Bull wäre "ein paar Tage später auch so bei UPC drinnen" gewesen. Dennoch redet Mateschitz vor allem über Fußball, "lustig gemeint" sei Folgendes: "Ich hoffe, Rudi Quehenberger geht noch immer jedes Jahr nach Mariazell ein Kerzerl anzünden." Mateschitz hatte Quehenberger bei der Übernahme der Salzburger Austria schließlich aus der finanziellen Patsche geholfen. Red Bull Salzburg ist freilich nicht das Ende der Fahnenstange, Red Bull suche "globales Fußball-Engagement".

Mateschitz will den unterklassigen "RB Leipzig", den er übernahm, also bald in die Bundesliga führen. Dann soll Salzburg, gibt er erstmals offen zu, "eine Art College- oder Unter-20-Mannschaft stellen", die aber sehr wohl um den österreichischen Titel mitspielen soll. "In den USA", glaubt Mateschitz, "steht Fußball kurz vor dem Durchbruch", und wenn es so weit ist, soll Red Bull New York "die Bastion des Fußballs an der Ostküste sein". By the way, was ist der Unterschied zwischen einem Amerikaner und einem Österreicher? "Fährt an einem Fußgänger in Amerika ein Porsche vorbei, denkt er sich: So ein Auto fahr ich auch einmal. Fährt an einem Österreicher ein Porsche vorbei,denkt er sich: Der wird auch einmal zu Fuß gehen."

Ob Salzburg da je in die Champions League kommen kann? Mateschitz weiß es nicht. "Salzburg darf für Österreich nicht zu gut und muss international gut genug sein." Übrigens hätte Salzburg längst Champions League gespielt, wäre dereinst ein entscheidendes Spiel in Donezk "nicht von A bis Z manipuliert" gewesen. Freilich sei er, Mateschitz, nicht Roman Abramowitsch. "Egal, was wir machen, wir machen es mit Hirn. Nichts ist leichter, als einen Sack Geld zu nehmen und shoppen zu gehen."

Ad Formel 1. Die Rivalität zwischen Mark Webber und Sebastian Vettel sei schon okay. "Shit happens", damit meint Mateschitz die Stallduelle, die das Team viele WM-Punkte kosteten. "Und wenn sie den WM-Titel kosten, das ist eben unser Weg. Ich hoffe aber, dass sich die beiden in den nächsten Rennen leben lassen."

Coca-Cola: Geschichte? 

"Man soll nie nie sagen", lautet eine Mateschitz-Devise. Dann sagt er aber doch: "Wir werden nie Olympische Spiele oder eine Fußball-WM sponsern." Das sei Veranstaltungssponsoring, davon halte er nichts, das solle Coca-Cola machen. Apropos. "Der Unterschied zwischen Red Bull und Coca-Cola? Coca-Cola hat hundert Jahre Geschichte, aber hinter sich. Wir haben hundert Jahre Geschichte vor uns." Hinter sich hat Mateschitz eineinhalb Stunden mit den Sportjournalisten, die ihm am Ende freundlich applaudieren. Freud leert sich wieder, der "Grüne Baum" hat nicht nur Seminarräume, sondern auch einen Swimmingpool. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 23. Juli 2010)