Beirut - Die radikalislamische Hisbollah im Libanon geht auf Konfrontationskurs zum UN-Tribunal für die Aufklärung des Mordes an Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri. Der Führer der proiranischen Schiiten-Bewegung Hassan Nasrallah erklärte Donnerstagabend, er werde es "nicht akzeptieren", wenn das UN-Tribunal Angehörige der Hisbollah anklagen sollte. "Es gibt eine neue Verschwörung", fügte Nasrallah hinzu, der das Haager Tribunal bereits zuvor als "israelisches Projekt" diffamiert hatte.

Politiker des pro-westlichen Lagers erklärten daraufhin, Nasrallah versuche, einen Konflikt zu provozieren. Zuvor war bekannt geworden, Mitglieder der Hisbollah könnten wegen des Mordes an Hariri angeklagt werden. Beobachter befürchten, dass die Anklage von Hisbollah-Kämpfern vor einem internationalen Tribunal zu religiös motiviertem Blutvergießen im Libanon führen könnte. Hariri war Sunnit, die Hisbollah ist schiitisch und wird vom Iran unterstützt.

Der Milliardär Rafik Hariri, Vater des jetzigen Regierungschefs Saad Hariri, und 22 weitere Menschen waren am 14. Februar 2005 in Beirut einem Sprengstoffattentat zum Opfer gefallen. Nach ersten Ermittlungen war der Verdacht auf die syrische Führung gefallen, die seit dem Bürgerkrieg (1975-1990) als "Schutzmacht" mit Soldaten und Geheimdienstagenten im Libanon präsent war. Später hieß es, auch Mitglieder der mit Syrien und dem Iran verbündeten schiitischen Hisbollah seien Teil der Verschwörung gegen Hariri gewesen. (APA)