Jaden Smith als "Karate Kid" .

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Wien - Im Jahr 1984 war die Hollywood-Produktion Karate Kid ein später Ausläufer jener Kampfsportwelle, die Bruce Lee und in seinem Windschatten David Carradine im Jahrzehnt davor im Westen ausgelöst hatten. Eine zielgruppentaugliche Adaptierung sozusagen, die davon erzählte wie ein US-Teenager von einem japanischen Meister beigebracht bekommt, sich nach allen Regeln der Kunst gegen gemeine Schläger zu verteidigen.

Immerhin drei Teile lang funktionierte diese Unterweisung auch kommerziell. Danach wandten sich die Eingeweihten wieder mehr den Originalen zu: Mit einem gewissen Jackie Chan war nämlich im Hongkong-Kino schon längst ein Zeitgenosse und würdiger Erbe der Todeskralle am Werk.

Insofern ist es nur folgerichtig, dass der seither zum internationalen Star avancierte Chan im Remake von Karate Kid auch offiziell die Rolle des Lehrers übernommen hat. Und Chan, so viel vorweg, ist auch die angenehme Überraschung in diesem Film. Er spielt ganz zurückgenommen den Pekinger Hausmeister Han, in dessen Wohnblock sich eines Tages eine afroamerikanische Alleinerzieherin (Taraji P. Henson) mit ihrem zwölfjährigen Sohn (Jaden Smith) einmietet, weil in Peking - im Unterschied zu Detroit - noch Arbeit in der Automobilindustrie zu finden ist.

Chan darf im ersten Drittel von Karate Kid eine seiner fulminant choreografierten Kampfnummern mit mehreren Gegnern absolvieren. Der Neuling im Block wird nämlich von Klassenkameraden aggressiv traktiert. Nach einer Stunde des Films, der sich mit seinen 140 Minuten Dauer vor allem für höhere Eintrittspreise qualifiziert, lässt sich der Hausmeister erweichen, das aufmerksamkeitsdefizitäre Kind aus Übersee zu unterrichten. Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der sich von der faschistoiden Ideologie jener Kung-Fu-Kaderschmiede unterscheidet, deren Meister dauernd "keine Schwäche, kein Schmerz, keine Gnade!" bellt.

Trotzdem wirkt die Zurschaustellung des schwitzenden Hardbodys von Jaden Smith befremdlich. Genau so wie das Macho-Gepose des zwölfjährigen Sohnes von Hollywood-Star Will Smith und Jada Pinkett, dem das Drehbuch auch eine zarte erste Liebe zu einer kleinen chinesischen Geigenvirtuosin (Wenwen Han) zugedacht hat. Auch diese hat Eltern mit ehrgeizigen Plänen - und Kung Fu Panda bleibt der sympathischere Kampfsportlehrling. (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 24./25.07.2010)