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Dr. Motte bei der Loveparade 2002 in Berlin.

Foto: APA/dpa/Mittelsiefen

Berlin/Duisburg/London - Nach der Panik bei der Loveparade in Duisburg hat ein britischer DJ die Veranstalter kritisiert. Der Housemusik-Produzent DJ Mark Knight sagte am Sonntag dem britischen Fernsehsender BBC, er habe "nicht verstanden, warum das Gelände nur einen Eingang hat. (...) Das hat überhaupt keinen Sinn ergeben."

Außerdem seien die Teilnehmer der Veranstaltung nicht ausreichend informiert worden, sagte der DJ aus der südostenglischen Stadt Maidstone. "Vielen Leuten war gar nicht bewusst, was passierte. Es war eine sehr unheimliche Stimmung." Auch er habe seinen Auftritt auf der Hauptbühne nicht abbrechen dürfen, sagte der Musiker weiter.

Die Veranstalter hätten ihn aus Angst vor mehr Panik gebeten, sein Programm wie geplant zu spielen. "Wir erfuhren davon, kurz bevor wir dran waren. Sie sagten, die Show müsse weitergehen, wir könnten aus Furcht vor den Konsequenzen und mehr Panik nicht aufhören."

Loveparade-Erfinder: "Verantwortlichen müssen Buße tun"

Dr. Motte, der Erfinder der Loveparade, hat Konsequenzen aus dem Unglück von Duisburg gefordert. "Das ist das Wenigste, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und Buße tun", sagte er am Sonntag in Berlin. "Das wird auf jeden Fall ein Nachspiel haben." Das mindeste sei nun, sich um die Angehörigen und die Opfer zu kümmern.

Dass der jetzige Organisator, Rainer Schaller, das Ende der Technoparade verkündet hat, begrüßte er. "Es ist vielleicht besser so." Er könne verstehen, wenn nach der verheerenden Massenpanik vielen die Lust auf Festivals vergangen sei. Dr. Motte warf den Veranstaltern "totale Selbstüberschätzung" vor. Er habe sich die Bilder vom Tunnel angeschaut - "eine Katastrophe". Aus seiner Sicht hätte man vorher wissen können, welche Gefahr drohte.

Der 50 Jahre alte DJ (eigentlich Matthias Roeingh) hatte die Veranstaltung 1989 gegründet. In Berlin verlief sie fast immer friedlich. "Es gab keine mit Duisburg vergleichbaren Unglücke. Die Feiernden hatten im Tiergarten genug Platz", so Dr. Motte. Weil die Party seiner Ansicht nach zur "Dauerwerbesendung" verkam, zog sich Dr. Motte 2006 aus dem Organisationsteam zurück. Heute engagiert er sich für den Protest gegen Mediaspree, einen Investorenplan, der vorsieht, das Ufer der Spree zu bebauen. 

Techno-Pinoier: "Grobe Fahrlässigkeit"

Der Frankfurter Techno-Pionier Sven Väth hat eine lückenlose Aufklärung der Loveparade-Tragöde von Duisburg gefordert. "Absperrungen und Eingrenzungen erscheinen mir persönlich für eine Menschenmenge dieser Größenordnung logistisch nur schwer durchführbar", sagte Väth laut einer in Frankfurt verbreiteten Mitteilung. Er selbst habe die Veranstaltung immer nur in Berlin erlebt.

"Traurig stimmt es mich, dass die Love Parade, die einst als friedliche Demonstration für Musik, Club- und Partykultur weit über unsere Grenzen hinaus bejubelt wurde, nun durch solch eine grobe Fahrlässigkeit ein derart dramatisches und fragwürdiges Ende findet." Väth gehört zu den Mitbegründern der Techno-Bewegung. Heute betreibt der Star-DJ unter anderem einen Club in Frankfurt.

(APA)