Salzburg - Die Nachwuchs-Plattform im Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele, das Young Directors Project (YDP), zählt zum unumstrittenen Erbstück, das die zu Ende gehende Ära Jürgen Flimm den Nachfolgern hinterlässt. Sven-Eric Bechtolf, designierter Schauspielchef ab 2011, wird den derzeit von Martine Dennewald und Thomas Oberender kuratierten Talentewettbewerb beibehalten.

Mit "Innenschau", einem düster-schwülstigen Bilderstrom durch (un)behagliche Traumwelten eines Mannes, stellte der in Amsterdam arbeitende, schwedische Regisseur Jakob Ahlbom am Dienstag den ersten von insgesamt vier, heuer ausschließlich europäischen Wettbewerbsbeiträgen vor - traditionellerweise in der Republic-Bühne. Es geht bei dem von Montblanc gesponserten Regie-Award um 10.000 Euro und die Max-Reinhardt-Pen. Preisverleihung ist am 21. August.

In einem in Schwarz versinkenden Raum behauptet sich das Unterbewusstsein eines Mannes. Seine Realität beginnt im Moment postkoitaler Ruhe zu bröckeln. Der Blick in den Spiegel zeigt einen fremden Menschen; aus der Tür des Kleiderkastens strömt das Licht einer anderen Welt; und in einer dämmrigen Bar, in der Schränke wie von Geisterhand tanzen, geht ihm die Frau verloren. Mysteriöse Telefonate folgen: "Gibt's ein Problem? Nein."

Es entwickelt sich ein kafkaesker Thriller, der in seiner von Schummerlicht (Stefan Dijkman) dominierten Film-noir-Ästhetik überzeugend wirkt, der mit der melancholisch-poppigen Musik der Band Alamo Race Track für die Abgründe seines Protagonisten Stimmung macht. Ein Thriller, der sich aber auch auf ziemlich platte, Sexualität und Verbrechen koppelnde Männerfantasien beschränkt, in denen Frauen in erster Linie möglichst biegsame Wirbelsäulen benötigen.

Auch wenn die Theatersprache dieser Innenwelten (Pantomime, Zaubertricks) schön anzusehen war - ganz so leicht ist das Schattenreich David Lynchs, der im Programmheft als Vorbild zitiert wird, nicht zu plündern.
(Margarete Affenzeller / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.7.2010)