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Grafik: APA

Luxemburg/Wien - Auf dem Stockerl war Österreich bei der Zahl der Arbeitslosen schon seit geraumer Zeit. Im Mai konnte dann erstmals Platz eins erobert werden, und im Juni hat Österreich den Abstand zum Zweitgereihten - den Niederlanden - sogar noch vergrößert. Das zeigen die aktuellen Zahlen des EU-Statistikamtes Eurostat.

Konkret lag die Arbeitslosenrate im Juni laut EU-Berechnungen bei 3,9 Prozent. Die Holländer folgen mit 4,4 Prozent auf Platz zwei. Im Mai war das Verhältnis bei 4,0 zu 4,3 Prozent gelegen.
Die EU-Statistik unterscheidet sich aber deutlich von der nationalen Berechnungsmethode. Das Arbeitsmarktservice (AMS) setzt die als arbeitslos Gemeldeten in Relation zu den unselbstständig Beschäftigten (inklusive der Arbeitslosen). Menschen, die einen AMS-Kurs besuchen, sind in der offiziellen Statistik nicht enthalten. Die EU nimmt in die Grundgesamtheit auch noch die Selbstständigen auf. Daher sind die EU-Werte immer deutlich niedriger als die nationalen. Außerdem handelt es sich bei den Eurostat-Zahlen um eine Befragung und nicht um tatsächlich gemeldete Arbeitslose.

Minus 13.000 im Juli

Laut AMS-Berechnungen lag die Arbeitslosenrate im Juni bei 7,3 Prozent. Der Juni war damit der erste Monat seit Ausbruch der Krise, in dem die Zahl der Jobsuchenden (inklusive Schulungsteilnehmern) tatsächlich gesunken ist. In absoluten Zahlen waren 284.610 Menschen ohne Arbeit, knapp 72.000 davon absolvierten eine Schulung. Im Juli hat sich die Lage am Arbeitsmarkt neuerlich entspannt.  Offiziell werden die Zahlen zwar erst am Sonntag, veröffentlicht. Laut Standard-Informationen ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Juli des Vorjahres aber um weitere 12.000 bis 13.000 zurückgegangen. Beim AMS wollte man am Freitag noch keine konkreten Zahlen nennen. Nur so viel: „Der Trend setzt sich fort. Wir werden neuerlich ein starkes Minus haben", erklärte ein Sprecher. Verwiesen wird auf den gut laufenden Bausektor sowie den heimischen Tourismus.

Keine allgemeine Entspannung

Europaweit kann allerdings noch keineswegs von einer Entschärfung der Jobkrise gesprochen werden. Nur in vier von 27 Ländern gab es im Juni rückläufige Arbeitslosenzahlen. Neben Österreich konnten sich Deutschland, Schweden und Malta über ein kleines Minus freuen.

Im Durchschnitt aller 27 EU-Länder lag die Arbeitslosenrate bei 9,6 Prozent, was einem Anstieg um 0,6 Prozent entspricht. Umgerechnet heißt das, dass 23,1 Millionen Menschen arbeitslos waren. 15,8 Millionen davon haben im Euro-Raum einen Job gesucht. Am dramatischsten ist die Lage weiter in Lettland und Spanien, wo jeder Fünfte arbeitslos ist. In Spanien wurde der höchste Juni-Wert seit 13 Jahren registriert. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt dort bei über 40 Prozent. (Günther Oswald, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 31.7./1.8.2010)