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Alpenwiesen emittieren Methanol als einziges Spurengas, dessen Menge sich während der Mahd verdreifacht, aber langfristig gesehen von Forschern als "klimaneutral" gewertet wird.

Foto: APA/AP/Kerstin Joensson

Innsbruck - Während der Einfluss von tropischen Regenwäldern auf das globale Klima in zahlreichen Forschungsprojekten weltweit untersucht wird, ist über die Rolle von unbewaldeten Grasflächen noch wenig bekannt. Dabei bedecken solche Lebensräume ein Viertel des Planeten, erklärten Wissenschafter des Instituts für Ionen- und Angewandte Physik der Universität Innsbruck um Armin Hansel in einer Aussendung.

Laut ersten Forschungsergebnissen verhalten sich Alpenwiesen eher "klimaneutral", weitere Untersuchungen sollen Klarheit schaffen.

Spurengasen auf der Spur

Neben den Grasflächen in Gebirgen zählen etwa tropische Savannen und subpolare Tundren zu diesen unbewaldeten Regionen. "Wenn Gräser wachsen, gedeihen, vergehen, gemäht werden, auf Umweltstress reagieren, setzen sie - so wie alle Pflanzen - eine Reihe an Spurengasen frei. Diese flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffverbindungen, sogenannte 'volatile organic compounds - kurz: VOC', haben großen Einfluss auf die chemischen und physikalischen Eigenschaften der gasförmigen Schutzhülle unseres Planeten, auf die Erdatmosphäre und damit auch auf unser Klima", erklärte Hansel.

Laut ersten Ergebnissen der Innsbrucker Wissenschafter setzen Gräser, besonders wenn sie zu wachsen beginnen oder geschnitten werden, größere Mengen flüchtiger Spurengase frei. Während der Wachstumsphase emittieren Alpenwiesen dagegen Methanol als einziges Spurengas. Beim Schneiden und Trocknen der Gräser, der Heumahd, steigt diese Methanol-Konzentration in der Luft auf das Dreifache. Zusätzlich wachsen auch die Emissionen von VOC wie Acetaldehyd und Hexenal an.

Langfristig gesehen neutral

Bezogen sind diese ersten Daten auf die unmittelbare Umgebungsluft von Alpenwiesen im Tiroler Stubaital bei Neustift auf 970 Metern Seehöhe. Dort läuft eine Langzeitstudie, die Hansels Forschergruppe gemeinsam mit dem Institut für Ökologie der Universität Innsbruck durchführt. Insgesamt zeigen die Daten, dass Mähwiesen wie jene in Neustift über längere Zeiträume eine annähernd neutrale Kohlendioxidbilanz aufweisen. Größere Aufnahmen von Kohlendioxid werden vor allem durch länger anhaltende Emissionen von Kohlendioxid nach der Mahd verhindert.

Prinzipielles

Pflanzen haben die wichtige Aufgabe, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu filtern. Dies geschieht im Rahmen der Photosynthese. Umgekehrt wird Kohlendioxid durch die Atmung von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen an die Atmosphäre abgegeben. Global betrachtet überwiegt jedoch die Photosynthese, und so binden terrestrische Ökosysteme momentan rund 30 bis 40 Prozent des vom Menschen freigesetzten Kohlendioxids.

VOC können das photochemische Gleichgewicht zwischen Stickstoffoxiden und Ozon kippen. Sie tragen so entscheidend zur Entstehung von Ozon in den unteren Atmosphärenschichten bei. VOC spielen auch bei der Wolkenbildung eine Rolle. (APA)