Zum alten Weinstock
Hauptstraße 13
7571 Rudersdorf
03382/71621

Zwei Gänge, Apfelsaft gespritzt, Espresso: 34,40

Foto: Fidler

Slow Food in Rudersdorf: Bisschen salzig, bisschen scharf angebratene Kräuter, aber schon sehr gut, die Steinpilze.

Foto: Fidler

Kein Beileid nötig, bei diesem Beiried. Obwohl natürlich schon schade um den Moorochsen.

Foto: Fidler

Mit 150 möchte ich noch eine so frische Farbe haben - wenn's nicht unbedingt Grün sein muss: Der alte Weinstock im alten Weinstock.

Foto: Fidler

Auf den Herrn Reiterer ist Verlass. Das wissen aufmerksame Schmeck's-Leserinnen und Leser spätestens seit der Leber, die hinter Ilz links liegt, seit Fidlers Weinerei und seit Johanns fetten Brüsten. Durchwegs Wirte mit Suchtcharakter. Warum bin ich eigentlich nicht öfter in der Gegend, bei den Wirten? Weil Herr Reiterer ständig neue, wunderbar sachdienliche Hinweise hat. Gut, das liegt auch daran, dass ich ihn praktisch immer frage, wenn ich ihn treffe. Aber: Soll mir nichts Schlimmeres passieren. Wie zum Beispiel Rudersdorf.

Die Abfahrt zur Leber

Man nehme die Abfahrt zur Leber, aber eben nicht Richtung Leber, also zum prachtvollen Haberl-Fink in Ilz, sondern rechts Richtung Weinstock. Zum alten Weinstock. Ich hätte mir ja dreimal überlegt, dieses kraftgrüne Haus an der Hauptstraße zu betreten, hätte ich nicht den Herrn Reiterer im Ohr gehabt. Schöner wär ja - von außen - der schönbrunnergelbe Gasthof Schabhüttl ein paar Häuser weiter, aber den gibt's offenkundig nicht mehr als Gastwirtschart, und Zur ungarischen Krone im selben Gebäude erweckt nicht so richtig mein Vertrauen. Aber vielleicht empfiehlt mir der Herr Reiterer bei einer meiner nächsten Fragereien auch das noch. Ich schick lieber ihn vor.

Hoffen wir vorerst auf einen schönen Herbst. In Rudersdorf. Unter dem alten Weinstock. Der beschattet ganz alleine den kompletten Gastgarten im Innenhof. Schon recht herrlich. Das braucht natürlich Zeit. 100 bis 150 Jahre, sagt mir die Kellnerin. Da darf man es nicht so eilig haben.

Hungrige Männer sind böse!

Blöd nur, dass der ewige Schmeck's-Schlachtruf bei allem Faible für Slow Food lautet: Hungrige Männer sind böse! Uomini affamati sono cattivi! Auf Russisch, Polnisch, Tschechisch und Slowakisch, Serbisch wie Kroatisch und gar Japanisch ließ ich mir das forsche Motto auch schon vorsagen und tat, als hätt ichs mir gemerkt, hab aber längst alles verschwitzt - wenn Sie helfen können: Den Kernsatz in allen erdenklichen Sprachen bitte posten!

Kurzum: Das Jöbstlsche Rouschinkenbrout vom Vorabend hielt Sonntagmittag nicht mehr vor, das Frühstück fiel ein bisschen karg aus, der Fidler wandelt am Ortsschild von Rudersdorf schon an der Grenze zum Bösen. Ein strategischer Fehler. Unter 150jährigen Reben kocht man zwar ebenso laut und beherzt, aber halt nicht richtig hurtig.

Forsche Schwämme

Steinpilze müssen sein an diesem sonnigen Spätsommertag, aus dem Rohr, mit Erdäpfel, etwas zu durchgeglühtem Salbei, viel Pfeffer und ordentlich Salz. Sehr fein, sehr forsch, im oberen Drittel des diessommerlichen Steinpilzrankings, ganz vorne naturgemäß die Sonne, aber von der wollen wir nicht schon wieder schwärmen. Höchstens von Susi Sodoma, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Schwanke, Reinanke

Ich schwanke zwischen Reinankenfilet (mit Petersiliensalat und Marillen) als zweite Vorspeis, wär vielleicht zeitstrategisch kein Fehler gewesen, und dem Saiblingsfilet in gelber Paprikasauce mit Olivenstangerl, womöglich auch Kalbsleber mit würzigen Brombeeren, aber von der halten mich die gebackenen Reiskugeln ab, und ich musste gerade ein "Contra" im RONDO schreiben gegen Sonderwünsche beim Wirten (also Petersilerdäpfel zur Leber, und die bitte geröstet).

Heute muss es eine Beiried sein. Die kommt immerhin vom Zickentaler Moorochsen, für das Landwirtschaftsministerium und seine Marketer ein total typischer Geselle für das südliche Burgenland, offenbar irgendwo zwischen Angus und Galloway. Und damit, weil mit festen Wurzeln im Südburgenland, ein Verwandter von mir (wenn auch einen Hauch nördlicher angesiedelt als meine Wurzeln). Den muss ich natürlich kennenlernen.

Bruder Moorochs

Sein Beiried dauert bei halbvollem Gastgarten ein wenig und ein wenig länger, und die Pilze haben mich nicht so ganz gesättigt, aber warum hab ich auch die Anke ausgelassen, und ein gscheites Frühstück sowieso? Selber schuld.

Bruder Moorochs war die Wartezeit wert. Geschnitten wie eine Tagliata, nicht ganz so blutig, wie ich hoffte, aber durchaus auf der guten Seite daheim, und gar nicht zickig, auf auch recht beherzt angebratenen jungen Zucchine, Eierschwammerln (die gaben wohl den Ausschlag für meine Wahl) und bisschen Mangold.

Hätt ich's dann nicht doch eilig gehabt, nach Wien zu kommen, ich hätt schon gern noch den "Käse vom Senner Joe" gekostet. So wurde es nur noch ein Espresso, der jedenfalls einem Flecken zwischen Jennersdorf und Fürstenfeld durchaus nicht schlecht zu Gesicht steht.

Aber: Im Alten Rebstock gibt's auch Zimmer, entdecke ich erst beim Rausgehen, und hoffe, dass mich Andrea und Markus Leitgeb nach diesem Erstbefund noch reinlassen. Eigentlich ein vernünftiger erster und ernster Halt auf dem Weg in die Südsteiermark, nach Italien, womöglich gar ins Land der Ahnen. Man soll ja Fressreisen wirklich nicht überstürzen.