Koffer schon gepackt? Billigflüge, Couchsurfen oder ein Praktikum im Ausland sorgen für neue Erfahrungen zwischen den Semestern.

Foto: Maria Kapeller

Ob einfach nur faul am Strand liegen oder auf einer Farm zupacken - Studierende können sich auf für wenig Geld die Welt ansehen.

Foto: Maria Kapeller

Studierende haben zwar oft genügend Zeit zum Reisen, vielen fehlt aber das nötige Kleingeld. Wer kreativ ist, findet trotzdem Möglichkeiten, sich die Welt anzuschauen. derStandard.at hat sich umgehört, welche Optionen es gibt und wie Studenten ihre unifreien Wochen im Ausland verbringen.

Praktikum im Ausland: Volontariate und Praktika werden zwar auch von diversen Reiseveranstaltern angeboten – aber auch hier muss man tiefer in die Tasche greifen, als man will – oder kann. Ein Preisbeispiel: Bei Statravel gibt es acht Wochen Praktikum in der IT-Branche in Großbritannien ab 3.950 Euro, inklusive vierwöchigem Sprachkurs und Unterkunft bei einer Gastfamilie mit Halbpension.

Wer sich selbst auf die Suche macht, kommt zwar nicht umhin für Flug, Unterkunft und Verpflegung zu bezahlen, kann sich aber nach günstigen Angeboten erkundigen und eine Stelle suchen, die auch Geld auf's Konto bringt. So wie Edith Frauscher, die gerade mit ihrem Studium fertig geworden ist: Im Oktober fliegt sie für drei Monate auf die Karibikinsel Curacao, um in einer Tauchschule ein Marketing-Praktikum zu absolvieren. "Ich habe mir den Job selbst im Internet gesucht. Flug, Unterkunft und Verpflegung muss ich zwar selbst bezahlen, aber ich bekomme ein Gehalt von rund 300 Euro im Monat plus eine finanzielle Unterstützung vom EU-Programm Leonardo da Vinci", erzählt die 28-Jährige. Bis zu einem Jahr nach Studienabschluss erhalten Absolventen EU-Förderungen für Praktika im Ausland.

Auf der Online-Plattform www.prabo.at kann man Jobs und Praktika im Ausland nach Kategorien wie Branche, Region oder Aktualität suchen. Derzeit sind mehr als 19.000 potenzielle Praktikaten und mehr als 8.000 Unternehmen registriert. Bei der Suche nach aktuellen Angeboten wird man schnell fündig: In Chile werden Praktika im Tourismus und in der EDV-Branche vergeben, in Kanada Studenten aus den Bereichen Forst- und Landwirtschaft gesucht, um von Borkenkäfern befallene Bäume umzuschneiden; in Thailand werden für jeweils sechs Monate unterschiedliche Praktikastellen in einer Elektrotechnikfirma offeriert.

Aupair: Eva Singer hat vor ihrem Studium als Aupair in einem Vorort von Washington D.C. in den USA gejobbt. "Die Familie hatte drei Kinder, ich habe auf die zwei Buben im Alter von drei und vier Jahren aufgepasst", erzählt sie. Weil sie ihr eigenes Auto zur Verfügung gestellt bekam, war sie sehr unanbhängig. "Ich bin in dem Jahr ein bisschen an der Ostküste herumgereist und habe am Ende drei Wochen in New York angehängt." Auch mit der Aupair-Familie war ein Strandurlaub drinnen. Ihren Job fand sie über eine Agentur, der Flug wurde bezahlt, Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld von rund 110 Euro pro Woche stellte die Familie.

Couchsurfing: Kostenlos zu übernachten ist zwar nicht der vorrangige Sinn der Internet-Plattform www.couchsurfing.com, aber immerhin ein angenehmer Nebeneffekt. Wer sich im weltweiten Netzwerk für Reiselustige registriert, kann sich bei fremden Menschen in aller Welt einquartieren, aber auch selbst eine Couch oder ein Bett zum Schlafen anbieten. Sinn der Sache sind der interkulturelle Austausch und der Blick hinter die touristische Fassade eines Landes. Den Betreibern zufolge agiert das Netzwerk als Non-Profit-Organisation und hat mittlerweile über eine Million Mitglieder, die auf der ganzen Welt verstreut sind. Das Durchschnittsalter der "Couchsurfer" beträgt 27 Jahre – Studenten dürften also keine Probleme haben, passende Gastgeber zu finden.

Arbeiten auf einer Farm: Statravel bietet günstige Farmaufenthalte in Europa und etwas teurere in Neuseeland, Australien, Kanada und Argentinien an. In Irland zahlt man für mindestens drei Monate inklusive Unterkunft, Verpflegung und einem wöchentlichen Taschengeld von 100 bis 120 Euro rund 500 Euro. In Norwegen kostet ein Mindestaufenthalt von zwei Monaten 405 Euro, die Flüge müssen jeweils selbst bezahlt werden.

Die Arbeit auf einem Bauernhof kann man sich auch ganz einfach selbst organisieren. Die Organisation "WWOOF" (World Wide Opportunities on Organic Farms) veröffentlicht Listen von Bauern und landwirtschaftlichen Betrieben auf der ganzen Welt, die gegen Freiwilligenarbeit Kost und Logis zur Verfügung stellen.

Mit dem Rucksack unterwegs: Studenten sind zeitlich relativ flexibel, daher bietet es sich an, sich die günstigsten Flugangebote herauszusuchen und sich danach zu richten. So genannte Billigairlines wie Ryanair haben zwar häufig Flugzeiten am frühen Morgen oder am Abend, dafür sind die Flüge zum Teil unschlagbar billig. Wer erst einmal gebucht hat, quartiert sich vor Ort in Jugendherbergen – dafür kann man sich als Student einen eigenen, internationalen Ermäßigungsausweis holen – ein.

Mit dem Rucksack auf eigene Faust zu reisen kann zwar anstrengend sein, zahlt sich aber auf jeden Fall aus, findet jedenfalls Daniela Reinhart. Die 29-Jährige war während ihrer Studienzeit gemeinsam mit einer Freundin drei Wochen lang auf der indonesischen Insel Bali unterwegs. "Das teuerste an der Reise war der Flug, für Unterkunft, Verpflegung und Transport vor Ort haben wir insgesamt nicht einmal 700 Euro gebraucht", erzählt sie. "Weil Bali ein so günstiges Reiseland ist, war das Reisen mit dem Rucksack nicht anstrengend. Wir mussten uns nicht um Busverbindungen kümmern, sondern sind mit privaten, sehr günstigen Taxis auch weitere Strecken gefahren."

Around-the-World-Ticket: Wer sich eine längere Auszeit nehmen möchte, findet mit dem "Around the World"-Ticket vielleicht das Richtige. Dabei handelt es sich um ein Flugticket, mit dem man quasi einmal um die ganze Welt – inklusive mehrerer Stopps – fliegen kann. Für Studenten gibt es Sonderpreise, bei Statravel kostet die Route Europa – Hong Kong- Auckland – Los Angeles – Europa beispielsweise ab 1.190 Euro. Die Routen sind frei wählbar, günstige Flüge können hinzugebucht werden, das Ticket ist bis zu einem Jahr lang gültig. Das schafft auch die Gelegenheit, während der Reise unterschiedliche Möglichkeiten wie ein Praktikum, Couchsurfen oder Wwoofing miteinander zu kombinieren. (Maria Kapeller, derStandard.at, 5.9.2010)