Maria Vassilakou prägte kürzlich den Begriff "Vergartenzwergung Österreichs". Ihr Wahlhelfer Alexander Van der Bellen legt jetzt im Standard-Interview nach: "Ich betrachte diese Provinzialisierung und Vergartenzwergung des Landes mit großer Sorge".

Nicht nur er. Aber es regt sich keiner so richtig darüber auf. Augenverdrehen und Achselzucken sind inzwischen die Erkennungszeichen der kritischen Intelligenz.

Wir haben einen Kanzler, der sich eher als Obmann des Kleingartenvereins "Zur güldenen Krone" gibt; wir haben einen Vizekanzler und Finanzminister, der legitimerweise Kanzler werden möchte, sein wirtschaftspolitisches Konzept aber unter Verschluss hält. Die Bildungspolitik, die über unser künftiges Wohlstandsniveau entscheidet, ist eine Plenarsitzung der Gartenzwerge in Permanenz. Nun sollen auch die Bundeslehrer in die Obhut der Landesfürsten übergeben werden, weil die sind "näher am Volk" (Pröll, Erwin). Die Hochschulen und die Forschungseinrichtungen werden ausgehungert, weil wir das Geld für Pensionsprivilegien brauchen.

Die Zuwanderungspolitik wird nach dem Prinzip betrieben: weil wir keine "Analphabeten aus Bergdörfern" (Fekter) wollen, lassen wir die zugewanderten Mathematiker und Ärzte erst gar nicht in ihren Berufen arbeiten. Österreich war nie besonders weltoffen. Aber jetzt wird die Selbstverprovinzialisierung zur Staatsdoktrin. (rau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.9.2010)