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Apple will Entwicklern mehr Freiheiten für Apps geben

Foto: AP/sakuma

Apple hat sich die wachsende Kritik am undurchsichtigen Review-Prozess für den App Store und an den strengen Regeln zur App-Entwicklung offenbar zu Herzen genommen. Am Donnerstag gab das Unternehmen wie berichtet bekannt, die Richtlinien zu lockern und die strittigen Punkte im iOS Developer Program-Lizenzabkommen zu ändern. Entwickler begrüßten diesen Schritt.

Beschränkung für Entwickler gelockert

Die Änderungen betreffen die Abschnitte Abschnitten 3.3.1, 3.3.2 und 3.3.9 des iOS Developer Program-Lizenzabkommens. "Insbesondere lockern wir alle Beschränkungen der Entwicklungswerkzeuge zum Entwickeln von iOS Apps, so lange die dadurch entstehenden Apps keinen Code herunterladen", erklärt Apple in einer Aussendung. Dadurch würden Entwickler mehr Flexibilität erhalten, im Gegenzug könne Apple aber die Sicherheit der Apps erhalten. Im April hatte Apple seine Richtlinien zunächst dahingehend geändert, dass das Entwickeln mit Programmierumgebungen von Wettbewerbern wie Adobe oder Microsoft untersagt wurde.

"Großartige Neuigkeiten für Entwickler"

Adobe hatte daraufhin angekündigt, die Entwicklung des Packagers for iPhone, einem Feature von Flash Professional CS5, vorerst einzustellen. Mit dem Tool können Entwickler ihre Flash-Anwendungen für iOS-Geräte kompilieren. Flash wird von Apple auf seinen mobilen Geräten bekanntlich nicht unterstützt. Adobe begrüßte die Änderungen im Unternehmens-Blog nun als "großartige Neuigkeiten für Entwickler". Mit der Lockerung der Bestimmungen soll die Weiterentwicklung des iPhone Packagers nun wieder aufgenommen werden. Die ersten mit dem Packager entwickelten Apps seien bereits für den App Store zugelassen worden.

Kritik an App-Richtlinien

Entwickler hatten Apple auch immer wieder dafür kritisiert, dass nicht ersichtlich sei, nach welchen Regeln Apps für den App Store zugelassen oder abgelehnt werden. Anfang des Jahres wurden aus dem Software-Store für iPhone, iPod Touch und iPad beispielsweise einige Apps entfernt, die laut Apple sexuelle Anzüglichkeiten enthalten hätten. Der Zensurpolitik fielen allerdings auch Apps zum Opfer, die keineswegs erotische Anspielungen zum Inhalt hatten, während andere Apps wie jene von Sports Illustrated unbehelligt blieben. So wurde eine Comic-Version von James Joyce' Ulysses wegen der Abbildung eines gezeichneten Penis zunächst abgelehnt. Als Antwort auf die Kritik an Apples puritanischer Haltung, meinte Apple-CEO Steve Jobs, dass sich jeder, der Pornografie am Handy sehen wolle, ein Android-Handy kaufen könne. Aber nicht nur bei den Inhalten, sondern auch bei bestimmten Features blockte Apple bei gewissen Apps ohne nachvollziehbare Gründe ab.

Offener Review-Prozess

An diesem Review-Prozess will Apple Entwickler nun teilhaben lassen und ihn transparenter gestalten. "Zusätzlich veröffentlichen wir erstmals die Richtlinien beim Prüfen einer App für die Zulassung im App Store um Entwicklern dabei zu helfen zu verstehen, in welcher Art und Weise wir eingereichte Apps prüfen. Wir hoffen, dass uns dies transparenter werden lässt und unseren Entwicklern dabei hilft, noch mehr erfolgreiche Apps für den App Store zu entwickeln", erklärt das Unternehmen. Laut New York Times würden viele Entwickler den Schritt positiv sehen, wenngleich die Richtlinien teilweise recht schwammig seien. So würde sich Apple vorbehalten, Apps abzulehnen, wenn diese "nicht sehr nützlich" seien oder keinen "längerfristigen Unterhaltungswert" bieten.

Kampf um Smartphone-Markt

Die Lockerungen der Richtlinien sind vor allem vor dem Hintergrund der wachsenden Marktanteile von Android, Googles mobilen Betriebssystem, zu werten. Sowohl Smartphone- als auch Tablet-Hersteller setzen verstärkt auf das offene System und erhöhen den Konkurrenzdruck auf Apple. Gartner geht davon aus, dass Android bis Jahresende weltweit Platz zwei der mobilen Betriebssystem eingenommen haben wird, hinter dem weiterhin dominanten Symbian und vor Blackberry-Hersteller RIM und iOS. 2014, so glauben die Marktforscher, sollen Symbian und Android dann in etwa gleichauf liegen. Mit der Lockerung der App Store-Richtlinien dürfte Apple einer Abwanderung der Entwickler-Community zu Android vorgreifen und das Image des Kontrollfreaks loswerden wollen. (Birgit Riegler/derStandard.at, 10. September 2010)

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