Natürliche Ressourcen schonend behandeln und verantwortungsvoll nutzen - ein Slogan, den die Grünen schon seit langem propagieren. Es stellt sich allerdings die Gretchenfrage: "Nun sag, wie hältst du's damit selbst in der Partei?"

Nun, im kleinen Wiener Bezirk Mariahilf haben grüne Funktionäre geradezu elefantöse Fußabdrücke hinterlassen, die alles andere als ökologisch anmuten: Ein über viele Jahre gewachsenes, fragiles politisches Biotop wurde kurzsichtig zertrampelt.

Das macht keinen schlanken Fuß - und zwar nicht nur bei den paar Zerquetschten. Anstatt regionale Ressourcen zu fördern, hat man hier kräftig outgesourct: Eine neue Spitzenkandidatin wurde aus dem Rathaus importiert, weitere Kandidaten hastig aus dem Parteiapparat und anderen Bezirken rekrutiert. Das indigene Fußvolk war somit überflüssig geworden - also wurde das verschlissene Menschenmaterial per Fußtritt hurtig entsorgt.

Freilich, es gab in der Partei auch vehemente Kritik an dieser unökologischen - und auch unökonomischen - Vorgangsweise. Die Reaktion der Verantwortlichen? Na, wie auf frischer Tat ertappte Umweltsünder halt immer reagieren: Sie waschen ihre Füße in Unschuld, verbreiten fleißig Desinformationen und stellen ihre Opfer als Täter hin - man kennt das zur Genüge.

Fragt sich nur, ob es sich hierbei lediglich um einen vereinzelten Fehltritt handelt und die vorwärtsstrebenden Kopffüßler ansonsten eh sittsam auf dem sauber gekiesten Pfad der Tugend wandeln. Mitnichten - das ökologische Gleichgewicht der Partei-Biosphäre ist bereits empfindlich gestört: Die blühende Artenvielfalt des grünen Gärtchens wurde schon drastisch zurechtgestutzt; an ihrer statt breitet sich die alles überwuchernde Monokultur eines dicken grünen Funktionärsfilzes aus.

In zwei Wiener Bezirken haben sich daher jetzt die jäh gejäteten Basiswappler/-innen notgedrungen auf ihre eigenen Füße gestellt. Es ist zwar verständlich, dass jene, die jetzt schon länger auf großem Fuße leben, gerne ihre basisdemokratischen Fußfesseln zur Gänze abstreifen würden: Dann ließe es sich ja auch viel ungezwungener mit den Mächtigen füßeln. Wer aber den widerborstigen Tausendfüßler Basis zertreten will, verliert schnell den Boden der Realität unter den Füßen - und die Strafe dafür folgt auf dem Fuße. (Richard Weihs, DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.9.2010)