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Glawischnig wurde denn auch beim Bundeskongress am Sonntag mit 96 Prozent der Delegiertenstimmen in demonstrativer Einigkeit wiedergewählt. "Na ja, ohne die Kritik von draußen wären es wohl nicht 96 Prozent geworden", grummelten Delegierte später an der Kaffeebar.

Foto: apa/leodolter

Graz - Krise ist nicht. Keine Silbe über schlechte Umfragewerte. Kein Ton über den personellen Aderlass, über Spaltungen in Wien. Alles im Lot. In der alten Seifenfabrik rückte die grüne Partei am Wochenende um ihre Vorsitzende Eva Glawischnig wieder eng zusammen.

Hat sich doch die Welt da draußen - vermeintlich - gegen die Grünen verschworen. Medien wie der Standard dichteten ihnen gar ein Krise oder einen Konflikt zwischen weiblicher Parteiführung und männlichen Alphamännchen an, schimpfte Glawischnig. "Richtig zornig" könne sie über diese Berichterstattung werden. Heftiger Applaus. Jetzt erst recht - endlich ein Außenfeind.

Glawischnig wurde denn auch beim Bundeskongress am Sonntag mit 96 Prozent der Delegiertenstimmen in demonstrativer Einigkeit wiedergewählt. "Na ja, ohne die Kritik von draußen wären es wohl nicht 96 Prozent geworden", grummelten Delegierte später an der Kaffeebar. Bei ihrer ersten Wahl im Jänner 2009 hatte Gla- wischnig 97,4 Prozent erreicht.

Die sonst bei Wahlen der Parteispitze übliche heiße Diskussion wurde abgesagt. Zumindest meldete sich kaum jemand. Nur ein 82 Jahre altes Parteimitglied zeigte mit leiser Stimme auf, dass Gla-wischnig doch bitte die alte Generation nicht vergessen solle. Ältere hätten in der Partei nichts zu reden. Glawischnig: "Wir gehören eh alle zusammen." "Das ist alles? Das war jetzt aber keine Antwort", setzte sich die alte Dame enttäuscht wieder nieder.

Ventil für den Unmut

Neben Glawischnig wurde auch der Parteivorstand mit Peter Pilz, Maria Vassilakou sowie der Wiener Gemeinderätin Sigrid Pilz und dem Vorarlberger Landeschef Johannes Rauch von den rund 230 Delegierten abgesegnet. Der Grazer Grüne, Stefan Schneider, der sich im Vorfeld sehr kritisch über den Zustand der Grünen geäußert hatte, bekam keine Chance auf einen Sitz im Bundesvorstand.

Schneider hatte ganz offensichtlich das Thema verfehlt, diesmal stand die große weite Welt auf der Agenda. Man widmete sich dem "Krieg gegen den Planet Erde" (Glawischnig), der Ausbeutung der Naturressourcen, den "Kriegstreibereien" der Ölkonzerne, dem Fetisch der Gewinnmaximierung. Die Finanz- und Ölkonzerne boten eine ideale Projektionsfläche für den aufgestauten inneren Unmut.

Nur grüne Politik könne dem tödlichen Treiben Einhalt gebieten, blickte die grüne Parteispitze mit rosaroter Parteibrille in Zukunft. Grüne Politik sei das Gebot der Stunde, auch auf der österreichischen Bühne, wo es zu verhindern gelte, dass die FPÖ überhaupt in eine Regierung komme.

Beim Thema "Ölkonzerne" bekam auch Ex-Bundeskanzler und Ex-ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel sein Fett ab. Glawischnig verlangte seinen Rücktritt als Nationalratsabgeordneter, da er seit einiger Zeit im Aufsichtsrat der deutschen RWE sitzt, dort auch am Gewinn des Energiekonzerns beteiligt sei. Schüssel könne nicht die Interessen Österreichs als atomfreies Land vertreten, wenn er gleichzeitig in einem der aggressivsten Atomgiganten an lenkender Stelle sitze. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.9.2010)