Danko Rabrenović, Musiker und Radiojournalist

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"Am glücklichsten bin ich, wenn ich im Flugzeug sitze - egal in welche Richtung!" Mit diesem (ausgeliehenen) Satz beginnt Danko Rabrenović seine Geschichte über einen "Jugo in Deutschland". Als 22-Jähriger verließ der Radiojournalist und Musiker am Beginn des Jugoslawien-Krieges seine Heimat und suchte, wie er anfangs dachte, vorübergehend Zuflucht in Deutschland. Neunzehn Jahre später hat sich Danko Rabrenović - laut seiner eigenen "Exil-Theorie" - mit einem Leben "zwischen zwei Welten arrangiert" - und das sehr erfolgreich!

"Die Düsseldorfer Al-Haxa-Brigaden e.V."

Doch dazwischen liegt eine Zeit, in der Danko fast alle Aufenthaltstitel der deutschen Bürokratie sammelte, über einige deutsche Sitten staunte (getrenntes Zahlen in Restaurants) und andere breitwillig übernahm (Schweinshaxe) und sich einen Freundeskreis aus Ex-Jugos aufbaute, die allesamt das Beste aus beiden Welten leben wollen. Scheinbar ganz nebenbei verarbeitet Rabrenović in seinem Buch leichtfüßig auch eigene schwerwiegende Integrationsthemen, wie etwa die übertriebene Anpassungswilligkeit eines Bekannten, der seinem Namen doch lieber eine deutsche Note verleiht und das verräterische "ć" weglässt. An andere Stelle wird die Frage der Mehrsprachigkeit aufgegriffen: Rabrenović spricht offen über die Erziehung seiner fünfjährigen Tochter Maja und die "Normalität einer zweisprachigen Welt".

Kritisch und nostalgisch

Stellenweise wird das Buch auch "ernsthaft" und kritisch und zwar nicht nur dann, wenn es um Dankos zweite Berufung - die Musik - geht. Neben ihrem schlechten Musikgeschmack (Stichwort Turbofolk) wirft er einigen seiner Landsleute auch "Schlitzohrigkeit" vor. Er wollte die Ex-Yugos "nicht nur klug, charmant und toll, und Deutsche konservativ, langweilig und doof erscheinen lassen", so Danko.
Der Balkanizer betreibt keine Verklärung, Idealisierung und Romantisierung, streut aber die richtige Dosis Jugo-Nostalgie zwischen die Zeilen. Etwa wenn Danko breitwillig das Klischee über die balkanesische Liebe zu Roma-Blasmusik bestätigt oder von den Bands der Jugoslawischen Neuen Welle schwärmt.

 

Gelungenes Panoptikum

"Balkanizer" ist ein gelungenes Panoptikum der jüngsten Migrationsgeschichte vieler Balkan-Flüchtlinge. Es bildet die Erfahrungen einer Generation ab, die einen wichtigen Teil der Sozialisation in einem Land erfahren hat, das auf keiner Karte mehr zu finden ist, doch in vielen Herzen und Köpfen weiterhin Bestand hat. Doch auch alle anderen, die unfreiwillige Migration, Exil und den sogenannten "Integrationsprozess" - egal wann und wo - durchlebt haben, werden in diesem Buch viele persönliche Erfahrungen wiederfinden.

Angeregt von seinem Co-Autor Sebastian Brück, hat der Radiojournalist und Musiker Danko Rabrenović ein äußerst humorvolles, pointiertes und streckenweise sehr persönliches Buch verfasst, das vor allem in Zeiten, in denen deutsche und österreichische Integrationsdebatten hitzig, populistisch und abgehoben wirken, viel Beachtung verdient hat.