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Magna-Manager Siegfried Wolf wechselt zu Oleg Deripaska.

Foto: Reuters/Herwig Prammer

Die Russen haben es Siegfried Wolf immer recht angetan. Kam die Rede auf Oleg Deripaska, verfiel er ins Schwärmen. Vehemente Hinweise, dass sich der russische Milliardär und Investor sein Vermögen nicht ganz sauber verdient hat, tat er als Neidreflex ab und lobte lieber dessen soziale Ader. Dass der Steirer jetzt das Steuer des Autozulieferers Magna verlässt und sich ins Cockpit des Russen in dessen Mischkonzern Basic Element setzt, will in seinem Umfeld so keinen überraschen.

Sollte bei Magna was schiefgehen - Sorgen um Wolf müsse sich keiner machen, der habe eh seinen Oleg, tönte es in der Österreich-Zentrale des Konzerns schon vor Jahren in der Belegschaft. Als Magna-Gründer Frank Stronach, der Wolf seine Blitzkarriere in der Autoindustrie ermöglichte, vor kurzem die Kontrolle über Magna abgab, schien vielen klar, dass wohl auch Wolfs Weg dem Ende entgegengehe.

Als Charismatiker wie Stronach galt der 52-Jährige nie, dafür als Blitzgneißer. Knalltrocken und geradlinig, dabei umgänglich, so beschreiben ihn Managerkollegen; als einen, der mit beiden Beinen auf dem Boden stehe, zugleich aber auch ein Getriebener sei. Misserfolge nagten lang an ihm: Die spektakuläre Pleite der Styrian Airways, in die er investiert hatte, gehe ihm noch heute gehörig gegen den Strich. Mit der Gewerkschaft hatte es Wolf nie. "Zündets nicht eure eigene Hütten an", soll er ihre Streikdrohung einst quittiert haben. Dass er seine Mitarbeiter vor einem Jahr zum Lohnverzicht aufforderte, der so freiwillig wie dargestellt nicht war, verfestigt deren Bild von ihm als harter Sanierer - so sehr sie ihn als "einen von ganz unten" respektierten.

Wolf wuchs in Feldbach als eines von sechs Kindern am Bauernhof auf. Als Zweitgeborener musste er sich was anderes suchen, lernte Werkzeugmacher, heuerte bei Philips, später beim Munitionshersteller Hirtenberger an, bis ihn Stronach 1994 entdeckte. Er baute Magna Europa zum profitablen Konzernzweig aus und teilte sich mit Donald Walker seit 2005 den internationalen Chefsessel. Mit seinem Salär von rund vier Millionen Euro im Jahr zählt er zu Österreichs bestbezahlten Managern. Sein 70 Hektar großer Biobauernhof nahe Wiener Neustadt, den er mit seiner Frau und zwei Töchtern führt, könne sich allerdings auch allein erhalten sagt er. In Afrika kaufte sich Wolf eine weitere Farm und geht dort seiner zweiten privaten Leidenschaft neben Golf nach, der Jagd. Für Abenteuer in freier Wildbahn dürfte freilich auch Russland das ideale Terrain bieten. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2010)