European Trophy-Turnierdirektor Bo Lennartsson: "Unser Ziel war es, einen Bewerb zu schaffen, der ein hohes sportliches Niveau bietet - und das haben wir sicherlich erreicht."

Foto: "europeantrophy.com"

Die heuer erstmals ausgetragene und vor zehn Tagen mit dem Finalturnier in Salzburg zu Ende gegangene European Trophy stellt das jüngste Kapitel im an unvollständigen Seiten nicht armen Buch zur Etablierung eines europäischen Klubbewerbs dar. Meistercup, European Hockey League, Continental Cup, Champions Hockey League - die Liste an erfolglosen diesbezüglichen Versuchen ist lang, das heurige als Pre-Season-Bewerb durchgeführte Turnier gibt jedoch Anlass zur Hoffnung auf die Entwicklung einer nachhaltigen Struktur mit höherer Lebensdauer.

Der Weltverband am Abstellgleis

Die hohe Anzahl der in der Vergangenheit eingeführten und meist nach wenigen Jahren wieder aufgelösten Bewerbe hat primär mit der stets großen Rolle des Eishockey-Weltverbandes (IIHF) in diesen Prozessen zu tun. Dieser stand als Ideengeber und in der Regel auch Veranstalter hinter den gescheiterten Projekten, zentrales Manko war die fehlende Einbindung der teilnehmenden Akteure, also der Vereine, in die Entwicklungen.

Seit 2006, als sich schwedische und finnische Klubs zur Gruppe der Nordic Trophy, ausgetragen ebenfalls in der Vorbereitungsphase der Saison im August, zusammengeschlossen haben, existiert ein Alternativentwurf zu den den Vereinen von der IIHF oktroyierten Bewerben. Ein sich von Jahr zu Jahr erweiterndes Teilnehmerfeld führte letzten Winter zum Entschluss der Umwandlung der Nordic in die European Trophy. Diese Öffnung brachte heuer 18 Vereine aus sieben Nationen zur Partizipation am neuen Bewerb, wobei die etablierten Klubs über die "Aufnahme" der Erweiterungskandidaten bestimmten. Die EBEL war mit dem EC Salzburg vertreten, der außerdem als Gastgeber der Finalrunde fungierte.

Erfolgreiche Premiere

Zwischen 11.August und 5.September trugen die 18 Vereine insgesamt 84 Spiele auf beachtlichem Niveau aus, die Zielsetzung, der Vorbereitungsphase einen wettbewerbsähnlichen Charakter zu verleihen, wurde realisiert. Entsprechend zufrieden zeigte sich Turnierdirektor Bo Lennartsson auch im Gespräch mit 'Crunch Time': "Spiele in der Pre-Season sind in der Regel sowohl für Spieler als auch für Fans eher langweilig. Unser Ziel war es, einen Bewerb zu schaffen, der ein hohes sportliches Niveau bietet - und das haben wir sicherlich erreicht."

Für die nächstjährige European Trophy hat europaweit bereits eine Vielzahl an Klubs ihren Wunsch zur Teilnahme deponiert, aktuell diskutiert man den Spielmodus nach einer möglichen Erweiterung. Dass weitere Klubs aus der EBEL in das Turnier einsteigen, ist nicht ausgeschlossen, allerdings eher unwahrscheinlich. Vorrang hat hier die Konzentration auf traditionsreichere und potentere Ligen wie beispielsweise die tschechische Extraliga, aus der sich 2010 ebenfalls nur ein Klub im Starterfeld fand. Anders als in österreichischen Medien kolportiert, stellt Turnierdirektor Lennartsson auch klar, dass es "keine direkten Gespräche zwischen den Verantwortlichen der European Trophy und den Vienna Capitals" gegeben hat.

Die Europaliga am Horizont

Der zukünftige Erfolg des Pre-Season-Turniers European Trophy steht angesichts der Tatsache, dass es die Klubs selbst sind, die alle relevanten Entscheidungen treffen, wohl außer Zweifel. Im Hintergrund wird speziell in Skandinavien jedoch schon seit zwei Jahren am eigentlichen Hauptprojekt gearbeitet, einer gemeinsamen europäischen Eishockeyliga, welche zumindest in manchen Ländern die nationalen Meisterschaften ersetzen soll.
Rädelsführer sind im Großen und Ganzen jene schwedischen Klubs, die vor sechs Jahren auch die Nordic bzw. European Trophy begründeten. Sie haben ein gemeinsames Unternehmen, die Hockeyentwicklungsgesellschaft (schwedische Abkürzung: HUB) gegründet, in dem die Pläne einer Europaliga geschmiedet und zukünftig auch umgesetzt werden (sollen). Im Sommer kaufte sich Luleå, der Klub von Thomas Raffl, als siebter Verein in diese Gesellschaft ein und gehört damit zur Gruppe der Fixstarter der Liga, die in drei oder vier Jahren starten soll.

'Crunch Time' konnte in die Prozesse involvierten Akteuren auch erste Informationen bezüglich des aktuellen Stands der Planungen zur Zusammensetzung einer solchen europäischen Liga entlocken. Kalkuliert wird mit rund 30 Teams, regional gegliedert in zwei Conferences und vier Divisions. Anders als noch vor einem halben Jahr sind nationale Gruppen (eine rein schwedische, eine rein finnische, eine tschechisch-slowakische und eine für den deutschsprachigen Raum) angedacht. Der Spielplan sähe so aus, dass rund zwei Drittel der Spiele innerhalb der eigenen Division ausgetragen werden würden. In knapp einem Viertel der Partien ging es für die Klubs gegen Vereine aus der anderen Division der Conference, den Rest bilden Duelle mit Gegnern aus der jeweils anderen Conference.

Konsequenzen für die nationalen Ligen

Diese Betonung regionaler Aspekte soll der verbreiteten Skepsis bezüglich der völligen Entwertung der gegenwärtig existierenden nationalen Ligensysteme, die mit dem Start einer Europaliga einhergehen würde, entgegenwirken. Verstärkt wird dieser Trend durch die Pläne für den Playoff-Modus: Die einzelnen Divisions ermitteln ihre eigenen Champions (in Schweden und Finnland also dann wohl die offiziellen nationalen Meister), welcher später untereinander und eventuell erweitert um den Sieger der russischen KHL den europäischen Titelträger ausspielen.

Für die EBEL brächte die Einführung einer solchen Europaliga in Anlehnung an NHL-Strukturen nach gegenwärtigem Stand wenig Veränderungen mit sich. Während der EC Salzburg wohl als Fixstarter in dieser internationalen Meisterschaft betrachtet werden kann, wird angesichts der Rahmenbedingungen des Bewerbs (gemeinsame Division mit den Klubs aus anderen deutschsprachigen Ländern) wohl nur noch Platz für maximal einen weiteren Verein aus Österreich sein.

Klarer dürfte das Bild in rund fünf Wochen werden, wenn sich die grundsätzlich interessierten (rund 30) europäischen Klubs zum Gipfel mit den Ideengebern der sieben "HUB-Vereine" treffen.

Die im Mai dieses Jahres erfolgte Aufnahme der EBEL in die "Hockey Europe"-Gruppe, den Verband der sieben führenden europäischen Eishockeyligen, welche von Ligapräsident Karl Safron bei der Saisonauftakts-Pressekonferenz mit den Worten "Das ist sehr wichtig für uns, nun können wir mitgestalten" kommentiert wurde, spielt in dieser Entwicklung nur eine marginale Rolle. Das Heft haben bei der Schaffung einer zukünftig möglichen Europaliga ganz klar einzelne Vereine in der Hand, nicht Ligen oder deren Dachorganisation. (derStandard.at; 14. September 2010)