Im vorletzten Jahrhundert war dem Wiener noch geläufig, was ein Gigerl ist: "Im Knopfloch a Roserl, a recht a weit's Hoserl", so beschrieb ihn einst der Feuilletonist Eduard Pötzl in einem seiner Dialektreime. Dieser weniger im optischen Erscheinungsbild weitgehend überdauert habenden Wiener Spezies ist die letzte Premiere der laufenden Saison in den Kammerspielen gewidmet: Dort hatte letzten Donnerstag die Altwiener Posse "Die Gigerln von Wien" von Josef Wimmer und Karl Kleiber in der Regie Isabella Suppanz' Premiere: eine muntere Dehnübung eines dünnen Komödchens.

Inhalt: Der Hutmacher Eduard Strobl (Christian Futterknecht) versteckt in einem ganz aus der Mode gekommenen Hochzylinder vor seiner Frau ein Lotterielos, mit dessen Gewinn er sich von einem geheimen Gspusi freikaufen will. Das Los gewinnt, nur leider ist der Hut inzwischen verkauft, und zwar an den Präsidenten des Gigerl-Clubs (Franz Robert Wagner), an dem wiederum die Hutmachersgattin (Bigi Fischer) Gefallen findet.

Die mittels Privatdetektiv bewerkstelligte Suchaktion durch die Stadt birgt vor allem musikalische Hürden: Die von Rudolf Österreicher und Alexander Steinbrecher geschriebenen Lieder werden unter der musikalischen Leitung von Michael Rüggeberg den Mimen sowie den tanzenden Gigerl-Mannen abverlangt. Das hinkt, nicht so sehr des Beines wegen. Ein Hoch auf Susanna Wiegand, die als Greißlerin Veronika Moldaschl einem insgesamt gemäßigten Abend einen atemlosen Hypochonder-Auftritt auflegt. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2003)