Bild nicht mehr verfügbar.

Warum man trotz Bloggern und Citizen Journalists Medien braucht: Miriam Meckel bei den Medientagen.

Foto: APA/Hochmuth

Wien - Unkreativität und Ideenlosigkeit ortet die Medienwissenschafterin Miriam Meckel bei vielen Medienmanagern und deren Aktivitäten im Netz. Inhalte würden gratis ins Internet gekippt, und die Medienbranche starre wie das "Kaninchen vor der Schlange" auf Apples iPad und sehe dieses als "digitalen Erlöser", so Meckel am Dienstag bei den Österreichischen Medientagen. Apple kassiere dabei vorab 30 Prozent aller Erlöse der Medien, habe seinen Finger auf Abos und Kundenkontakten und sei darüber hinaus als Oberzensor unterwegs. "Das macht Angst", so Meckels Kritik.

Prinzip "Selbstmord aus Angst vor dem Tod"

Derzeit herrsche oft das Prinzip "Selbstmord aus Angst vor dem Tod" vor. Medien und Journalisten müssten ihre Kunden überzeugen, "dass journalistische Qualität einen sozialen Wert hat und deshalb auch dafür gezahlt werden muss", so die renommierte deutsche Medienwissenschafterin von der Universität St. Gallen. Die Medien müssten ihre Inhalte teurer machen, "weil Information so wertvoll ist, weil sie unser Leben verändern kann". Qualitätsjournalismus werde dringender denn je gebraucht. Journalismus biete Orientierung und Anker in einer immer komplexeren und komplizierteren Welt, Journalismus sorge für die soziale Synchronisation der Gesellschaft.

Profis gefragt

Es brauche professionelle Menschen, die unter Recherche mehr als nur die Eingabe in die Google-Suchmaske verstehen, so Meckel. Blogger und Bürgerjournalisten lieferten gute und interessante Inhalte, "aber glauben wir wirklich, dass die Blogger und Citizen Journalists uns darüber berichten werden, wie es den Flutopfern in Pakistan geht oder wie der Krieg in Afghanistan weitergeht". Und es brauche Medien auch, um ordentliche Debatten führen und eine Debattenkultur pflegen zu können. Qualität im Journalismus sei deshalb ein wichtiges soziales Gut. (APA)