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Kardinal Christoph Schönborns Opferschutzanwaltschaft hat am Dienstag erste Entschädigungszahlungen für zehn Fälle beschlossen

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Küng wird deutlich: "Es steht natürlich jedem frei, den Rechtsweg zu beschreiten"

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Wien - Es wird für die heimische Kirche Zeit, tief in den Klingelbeutel zu greifen. Wie bereits erwartet hat die von Kardinal Christoph Schönborn einberufene Opferanwaltschaft unter der Leitung der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic am Dienstag erste bindende Entschädigungszahlungen beschlossen.

Zehn Fälle seien "positiv" entschieden und würden nunmehr an die kirchliche "Stiftung Opferschutz" weitergeleitet werden. Weitere Entscheidungen würden für die nächsten Sitzungen vorbereitet, insgesamt seien bereits über 500 Meldungen eingegangen. Am Dienstag hat sich die Kommission in einem Fall auch auf eine weitere Anzeige geeinigt. Die Entschädigungszahlungen für die Opfer betreffen vier vereinbarte Kategorien. Diese seien aufgeteilt in Summen von 5000 Euro, 15.000 Euro, 25.000 Euro und "Beträgen darüber", so Klasnic. Konkrete Summen für die ersten zehn Fälle wurden aber nicht genannt.

Sanktus vom Finanzbischof

Zufrieden mit der Entscheidung der Klasnic-Kommission zeigte sich in einer ersten Reaktion der St. Pöltner Bischof Klaus Küng, der in seiner Funktion als Vorsitzender der Finanzkommission der Bischofskonferenz dem fünfköpfigen Kuratorium der Opferschutz-Stiftung angehört. "Die Opferschutzkommission bietet rasch und angemessen echte Hilfe im Interesse der Opfer. Und die Kirche will Gerechtigkeit für die Opfer", erklärt der Finanzbischof.

Die Worte voll des Lobes für die Arbeit der Opferanwaltschaft verwundern allerdings ein wenig, hatte Küng doch noch im August in einem Standard-Interview vor dem "Missbrauch mit dem Missbrauch" gewarnt und der Klasnic-Komission mit den Worten "es braucht nicht für jede Sache fünf Kommissionen" eine klare Absage erteilt. Und rund um die Entschädigungszahlungen mahnte der St. Pöltner Oberhirte vor gut zwei Monaten noch zur Vorsicht: "Wir müssen aufpassen und dürfen nicht so großzügig die Hände aufmachen und sagen, wir zahlen alles".

Am Dienstag äußerte sich Küng auch direkt zu den drohenden Klagen der Opfer gegen die römisch-katholische Kirche: "Es steht natürlich jedem frei, den Rechtsweg zu beschreiten. Allerdings muss man bedenken, dass gerichtliche Prozesse viel aufwendiger sind. Sie erfordern langwierige und für die Opfer belastende Einvernahmen. Außerdem kommen dort selbstverständlich die vom Gesetz vorgesehen Richtsätze und Verjährungsfristen zur Anwendung".

Deutscher Jesuiten-Ärger

In Deutschland gibt man sich in Zusammenhang mit möglichen Entschädigungszahlungen noch deutlich zurückhaltender. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) will vorerst keine Summen nennen. "Wir wollen nicht über konkrete Zahlen sprechen", merkte der Vorsitzende Robert Zollitsch bereits am Montag bei der Eröffnung der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda an. Verärgert reagierte Zollitsch auf das Vorpreschen der Jesuiten, die Geld in Aussicht gestellt hatten. Dabei war von möglichen Entschädigungen in vierstelliger Euro-Höhe die Rede. Summen um die 80.000 Euro pro Fall, wie von Opfern gefordert, seien für ihn nicht vorstellbar, stellte Zollitsch klar.

Bei dem traditionellen Treffen wollen die 67 deutschen Bischöfe und Weihbischöfe vor allem darüber beraten, wie sexuellem Missbrauch in Zukunft wirksamer vorgebeugt werden kann. Ein Entwurf sei vorbereitet, nun wolle man sich auf eine Rahmenordnung verständigen, sagte Zollitsch. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 22.9.2010)