Wien - Zielpunkt bietet ab kommender Woche die Bio-Eigenmarke "natürlich für uns" der oberösterreichischen Pfeiffer-Gruppe an. Das 82 Produkte umfassende Sortiment, das die Pfeiffer-Gruppe im vergangenen Jahr bereits in ihren Shops ("Nah und Frisch", der Diskonter Unimarkt und über den Lebensmittellieferanten C+C Pfeiffer in der Gastronomie) getestet hat, soll es ab sofort auch in allen 304 Zielpunkt-Filialen geben.

Die Filialnetze der beiden Lebensmittelhändler würden sich sehr gut ergänzen, sagte Jan Satek, Vorstandsvorsitzender des Diskonters Zielpunkt, am Freitag bei einer Pressekonferenz. So ist Zielpunkt im Osten Österreichs konzentriert, Pfeiffer im Westen. Weitere Kooperationen bei den billigsten Produkten schließen die Partner nicht aus.

Der Vertrieb über Zielpunkt sei lediglich ein Kooperationsprojekt: "Die Marke gehört weiterhin uns", sagte Erich Schönleitner, Geschäftsführer der Pfeiffer-Gruppe. Das Sortiment alleine weiterzuentwickeln wäre schwierig geworden. Mit Zielpunkt habe man jetzt aber einen "voluminösen Partner" gefunden, mit dem man die Kosten für die Weiterentwicklung der Bio-Linie teilen kann. Außerdem sei die Nachfrage nach Bio-Produkten gerade im urbanen Bereich groß - Zielpunkt verfügt über ein dichtes Filialnetz in Wien.

Der Ausbau betreffe neue Produkte, aber zum Beispiel auch Packungseinheiten, ergänzte Markus Roschel, Einkaufs-Vorstand bei Zielpunkt. Dazu gebe es einen eigenen "Markenbeirat", der auch neuen Partnern offenstehe, sagte Schönleitner. In der Gastronomie ist das Produktsortiment von "natürlich für uns" mit 400 Produkten größer.

"Bio Bio" läuft aus

Die frühere Bio-Linie von Zielpunkt "Bio Bio" werde mit der neuen Kooperation auslaufen, sagte Roschel. Mit dieser hätte der Diskonter 2009 "entgegen dem Markttrend" 4 Mio. Euro Umsatz gemacht. Zum Teil hätten die durch die Lieferanten vorgegebenen Mindestabnahmemengen nicht eingehalten werden können: "Das Sortiment wurde immer mehr ausgedünnt." Mit "natürlich für uns" erhofft Zielpunkt sich im ersten Jahr einen Umsatz bis zu 10 Mio. Euro, in den Jahren danach "darüber hinaus". Die 10 Mio. entsprechen in etwa dem Umsatz, den Pfeiffer im ersten Jahr gemacht hat.

"Bio Bio" habe eine ähnlich hohe Anzahl an Produkten umfasst, die durch den ehemaligen Zielpunkt-Eigentümer - der deutschen Tengelmann-Gruppe - jedoch nicht aus Österreich stammten. Zielpunkt und Pfeiffer kaufen künftig gemeinsam bei österreichischen Lieferanten ein, der Großteil stamme aus dem Mühlviertel und dem Salzburger Seenland. Nur einige wenige Produkte würden importiert, sagte Satek: "Bei den österreichischen Bio-Bananen etwa tun wir uns schwer."

Preisgestaltung

Die Preisgestaltung bleibt jedem Partner hingegen selbst überlassen. "Wir wollen bei Bio keine Diskontpreise anbieten", sagte Schönleitner. Mit den Bio-Marken der großen Supermarktketten Rewe und Spar solle "Natürlich für uns" nicht in einen Konkurrenzkampf eintreten. "Der Biomarkt wächst ja." Pfeiffer will das Umsatzvolumen ausschöpfen, das seinen Erwartungen nach neu hinzukommt.

Zielpunkt werde in den nächsten Wochen in Wien und Wels zwei neue Filialen eröffnen und in Wien eine alte wieder aufsperren, sagte Santek. Trotzdem sei man weiterhin dabei, "die Schließungsliste zu evaluieren" bestimmte Filialen müssten einfach zugesperrt werden. "Wir werden dann knapp unter 300 Filialen fallen", so Santek.

Der deutsch-luxemburgische Finanzinvestor BluO, der Satek installiert hat, will den Diskonter Zielpunkt, der unter dem ehemaligen Eigentümer Tengelmann in den vergangenen Jahren Verluste geschrieben hat, wieder auf Vordermann bringen. BluO hat Zielpunkt im Mai 2010 gekauft.(APA)