New York - Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat sich zu neuen Gesprächen mit der internationalen Gemeinschaft über das Atomprogramm seines Landes bereiterklärt. EU-Außenministerin Catherine Ashton solle Kontakt zu Vertretern des Iran aufnehmen "und einen Termin für Gespräche vereinbaren", sagte Ahmadinejad am Freitag in New York. Einem "provisorischen Plan" zufolge werde im Oktober ein iranischer Vertreter zunächst mit einem Vertreter der 5+1-Gruppe zusammenkommen, um den Rahmen für die Gespräche abzustecken.

Der 5+1-Gruppe gehören die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat - USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien - sowie Deutschland an. Die Gruppe arbeitet seit Jahren an einer Verhandlungslösung, die den Iran zur Aufgabe seines umstrittenen Atomprogramms bewegen soll. Seit der UN-Sicherheitsrat im Juni neue Sanktionen gegen den Iran verhängt hat, waren die Gespräche ausgesetzt. Die internationale Gemeinschaft fürchtet, der Iran könnte heimlich am Bau einer Atombombe arbeiten.

"Unverzeihlich"

US-Präsident Barack Obama übte unterdessen scharfe Kritik an Ahmadinejads Äußerungen zu einer Mitwisserschaft der USA an den Terroranschlägen vom 11. September 2001. "Diese Äußerungen von ihm sind unverzeihlich", sagte Obama am Freitag dem persischen Programm der BBC. "Sie sind beleidigend, sie sind hasserfüllt."

Ein US-Regierungsmitarbeiter erklärte, Obama habe sich bewusst für das persische Programm der BBC entschieden, damit die iranische Bevölkerung ihm direkt zuhören könne. "Besonders die Tatsache, dass er (Ahmadinejad) diese Äußerungen in Manhattan gemacht hat, nur etwas weiter nördlich von Ground Zero, wo Familien ihre geliebten Verwandten verloren haben, Menschen aller Glaubensrichtungen ..., dass er so eine Rede gehalten hat, ist nicht zu entschuldigen", sagte Obama.

Zugleich bekräftigte er die Bereitschaft der USA, den Streit über das iranische Atomprogramm auf diplomatischem Weg zu lösen. Allerdings müsse der Iran dafür endlich seinen internationalen Verpflichtungen nachkommen und für mehr Transparenz sorgen.

Mit Verschwörungstheorien über eine angebliche Verwicklung der USA in die Anschläge vom 11. September 2001 hatte Ahmadinejad am Vortag vor der UN-Vollversammlung in New York einen Eklat provoziert. Die meisten US-Bürger sowie andere Nationen und Politiker dächten, dass die Regierung in Washington die Anschläge inszeniert habe, sagte der iranische Präsident. Damit habe das Land seine Wirtschaft wiederbeleben und die Kontrolle über den Nahen Osten verstärken wollen. (APA/Reuters)