Nairobi/Washington/Genf - Weltweit haben immer mehr HIV- positive Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung. Allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Patienten, die moderne Medikamente erhalten, um 30 Prozent auf 5,24 Millionen. Das berichteten die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das UN- Kinderhilfswerk UNICEF und das UN-Programm UNAIDS in einem in Nairobi, Washington und Genf veröffentlichten Report. Im Vergleich zum Stand von vor sechs Jahren könne derzeit sogar die 13-fache Zahl an Menschen in einkommensschwachen Ländern behandelt werden.

Kürzungen finanzieller Hilfe

Zugleich warnte die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" vor einem Nachlassen der Hilfe aus den Industrieländern. Die Geberkonferenz des globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GF) drohe zu scheitern. In der kommenden Woche wollen die Geberländer in New York über ihre Zuweisungen an den Fonds von 2011 bis 2013 verhandeln. Die Hilfsorganisation kritisierte, dass Deutschland, bisher drittgrößter Geldgeber des Fonds, neben Italien den Erfolg der Konferenz am stärksten gefährde. Die deutsche Regierung wolle ihre finanzielle Hilfe kürzen. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen werden für den Zeitraum rund 20 Milliarden US- Dollar (15 Milliarden Euro) benötigt.

Bereits im Juli hatte GF-Direktor Michel Kazatchkine aus Anlass des Internationalen Aids-Kongresses in Wien erklärt, dass bei Geldkürzungen bestehende Programme nicht fortgeführt werden könnten. In Berlin hatten die anwesenden Geber vor drei Jahren Zusagen in Höhe von 9,7 Milliarden US-Dollar (7,21 Mrd. Euro) für den Zeitraum 2008 bis 2010 gemacht. Der GF bezahlt derzeit die Therapie von etwa 2,8 Millionen der weltweit fünf Millionen Menschen, die Aids- Medikamente erhalten.

Nach Auskunft von Elhadj As Sy, UNICEF-Regionaldirektor für das südliche und östliche Afrika, gibt es gerade in seiner Region große regionale Unterschiede. So gelang es Botswana und Ruanda erstmals, 80 Prozent oder mehr der HIV-positiv getesteten Bevölkerung mit sogenannten antiretroviralen Medikamenten (antiretrovirale Arzneimittel, ARV-Medikamente) zu behandeln, in Äthiopien, Sambia, Mali und Namibia gelang dies immerhin für 50 bis 80 Prozent. Vor allem auf vielen afrikanischen Dörfern haben Patienten aber nach wie vor keinen Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung oder wissen nicht, ob sie HIV- positiv sind.

Weniger Übertragungen auf Kinder

Fortschritte wurden laut dem Bericht "Towards Universal Access" (Hin zum weltweitem Zugang) vor allem beim Verhindern der Übertragung des Aids-Erregers von Schwangeren auf ihre Kinder erzielt. In Europa und Zentralasien erhielten 93 Prozent aller infizierten Schwangeren ARV- Medikamente, in Asien waren es jedoch nur 55 und in Lateinamerika sowie Afrika südlich der Sahara nur jeweils 54 Prozent.

In 14 der 144 untersuchten Länder werden mehr als 80 Prozent HIV- positiver Kinder behandelt - so in der Ukraine, Brasilien und Namibia. Insgesamt erhielten 2009 weltweit 356.000 Kinder bis zu 15 Jahren ARV-Medikamente.

"Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir haben gezeigt, was funktioniert und müssen das noch vertiefen", betonte der stellvertretende UNAIDS-Direktor Paul De Lay. "Dafür fehlen uns aber zehn Milliarden Dollar (7,43 Mrd. Euro)." In der kommenden Woche sollen auf der Geberkonferenz Zusagen für diese fehlenden Mittel aufgetrieben werden. (APA)