Bild nicht mehr verfügbar.

Saudisches Auge, intakt (Symbolbild).

Foto: REUTERS/Fahad Shadeed

Riad - Auge um Auge, Zahn um Zahn: Die Weigerung von Ärzten, ihn zu verstümmeln, hat einem jungen Mann in Saudi-Arabien sein Augenlicht gerettet. Er war zuvor von einem Richter schuldig gesprochen worden, zur Strafe hätte ihm ein Auge ausgestochen werden sollen.

Im Zentralkrankenhaus seiner Heimatstadt Al-Gurajat im Nordwesten des Landes war kein Arzt bereit, ihm operativ ein Auge zu entfernen. Laut einem Bericht der saudischen Zeitung "Okaz" vom Donnerstag erklärten die Mediziner, eine Beschädigung des Sehnervs könne weitere negative Folgen für den Gesundheitszustand des Verurteilten haben. Deswegen seien sie höchstens bereit, ihm mit einem Laserstrahl auf einer Seite das Augenlicht zu nehmen.

Im Zuge dieser Diskussion schaltete sich der Gouverneur der Provinz Mekka, Prinz Chalid bin Faisal, ein. Auf sein Drängen hin verzichtete der Vater des Mannes, dem der Verurteilte bei einer Schlägerei auf der Straße ein Auge zerstört hatte, auf die Vollstreckung des Urteils. Die Familie des Täters muss dem Opfer stattdessen eine Million Rial (rund 195.000 Euro) zahlen.

Im islamischen Königreich Saudi-Arabien gilt in der Rechtsprechung der Grundsatz "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Doch manchmal werden die Urteile nicht vollstreckt, da kein Arzt bereit ist, den Verurteilten zu verstümmeln. Im vergangenen Monat hatte ein Gericht vergeblich nach einem Mediziner gesucht, der einem schuldig gesprochenen Mann die Wirbelsäule zerstört. Der Verurteilte hatte einen anderen so verprügelt, dass das Opfer gelähmt ist. Der Islam kennt sowohl das Recht auf Vergeltung als auch die Möglichkeit, dem Täter zu vergeben. Die Praxis ist je nach Rechtsschule verschieden. (APA)