New York - Kurz vor Verleihung der Nobelpreise spekulieren die Experten von Thomson Reuters, Betreiber der größten wissenschaftlichen Zitationsdatenbank, welche Forscher ab Montag aufgrund ihrer Leistungen nobilitiert werden könnten. Ihre Vorhersagen beruhen auf einem ziemlich komplexen Auswahlprozess, bei dem vier Faktoren berücksichtigt werden: 1. Anzahl der Zitate und Anzahl der besonders oft zitierten Artikel, 2. thematische Entdeckungen, die einer speziellen Anerkennung wert sind, 3. fundamentale Beiträge zu dieser Entdeckung und 4. Preise oder andere Auszeichnungen, die auf einen Nobelpreise hindeuten (wie etwa in der Medizin der Gairdner Award, den bislang 69 spätere Nobelpreisträger erhalten haben).

Heuer setzen die Szientometriker in Sachen Medizin-Nobelpreis (wird am Montag kurz vor 12 Uhr bekannt gegeben) unter anderem auf die Stammzellforschung und dabei auf Shinya Yamanaka für die Entwicklung der induzierten pluripotenten Stammzellen. Dazu kommen die eigentlichen Stammzell-Entdecker James Till und Ernest McCulloch, die vor mittlerweile 47 Jahren die Wunderdinger erstmals beschrieben. Eine zweite Favoritengruppe: die beiden Entdecker von Leptin, jenem Hormon, das den Fettstoffwechsel mitreguliert.

In der Physik, die am Dienstag dran ist, werden gleich sieben Kandidaten genannt, darunter drei US-Astrophysiker, die mit der Auswertung der Daten der Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP ) befasst waren, sowie drei weitere Astronomie-Kollegen, die mehr über die beschleunigte Ausdehnung des herausfanden, zumal im Hinblick auf die Existenz dunkler Energie.

In der Chemie (Mittwoch) kommen vier neue Kandidaten dazu: unter anderem der Erfinder der DNA- Microarrys Patrick O. Brown sowie Omar Yaghi und Susumu Kitagawa für die Entwicklung ihre metall-organischer Gerüste. Bei den Wirtschaftswissenschaften wird der Favoritenkreis heuer um die folgenden (eher Makro- und Sozial-)Ökonomen erweitert: Alberto Alesina, Nobuhiro Kiyotaki, John H. Moore und Kevin Murphy, wer sie kennt.

Und noch aus dem Vorjahr im erweiterten Thomson Reuters-Favoritenkreis sind zwei Österreicher: Peter Zoller von der Universität Innsbruck (Physik) und Ernst Fehr (Uni Zürich) für Wirtschaftswissenschaften. Wir drücken die Daumen! (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 4.10. 2010)