Am 16. November startet im Wiener Straflandesgericht der Prozess um den Mord am tschetschenischen Asylwerber Umar I., der am 13. Jänner 2009 in Wien-Floridsdorf auf offener Straße erschossen wurde. Das gab Gerichtspräsident Friedrich Forsthuber, der die Verhandlung leiten wird, bekannt. Das Verfahren wurde vorerst auf acht Tage anberaumt, weitere Termine sind möglich. Urteile sind frühestens am 26. November zu erwarten.

Angeklagt sind drei angeblich in das Verbrechen verwickelte Männer, von denen Otto K. (42) - ein in St. Pölten wohnhafter, aus Tschetschenien stammender Versicherungsmakler - als zentrale Figur gilt. Er soll "die Gesamtverantwortung für die Operation, deren logistische Vorbereitung und Koordinierung" inne gehabt und "Kontakt zur tschetschenischen Führung" gehalten haben, ist der Anklageschrift zu entnehmen.

Das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) sieht in Tschetscheniens Präsidenten Ramsan Kadyrow den Drahtzieher des Komplotts, wobei die Ermittler in ihrem Abschlussbericht einen "definitiven Tötungsauftrag" vom Juni 2008 erwähnen. Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigte am Dienstag Ermittlungen gegen Kadyrow, wobei die Anklagebehörde aber davon ausgeht, dass die ursprüngliche Intention darauf gerichtet war, den 27 Jahre alte Israilov gewaltsam nach Tschetschenien zu verbringen, nachdem dieser gegen den Präsidenten ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) angestrengt hatte. Offenbar sei die Beweislage derzeit aber nicht ausreichend genug, um gegen Kadyrow "konkrete Fahndungsmaßnahmen in die Wege zu leiten", so Behördensprecherin Michaela Schnell.

Otto K. war dem Vernehmen nach ein enger Vertrauter Kadyrows. Er soll Suleyman D. (36), der nun mit ihm die Anklagebank teilen muss, und Letscha B. den Auftrag erteilt haben, "Umar Israilov zu überwältigen und zu verbringen oder ihn, falls dieses Vorhaben scheitern sollte, zu töten", heißt es in der Anklage. Suleyman D. war laut Darstellung der Strafverfolgungsbehörde intensiv in die Planung eingebunden.

Angegriffen wurde Israilov gemäß der Anklage von Letscha B. und Turpal-Ali Y. (31), dem Bruder des Polizei-Spitzels Kosum Y., der bei der Vorbereitung der Tat und dem anschließenden Bemühen, Spuren zu verwischen, ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnte. Während Turpal-Ali Y. als Drittangeklagter bereits jetzt vor Geschworene muss, wird gegen seinen älteren Bruder noch wegen möglicher Beitragstäterschaft ermittelt.

Von Letscha B., der die tödlichen Schüsse auf Israilov abgegeben haben soll, nachdem es dem 27-Jährigen gelungen war, sich loszureißen, fehlt jede Spur. Er hatte sich nach der Tat ins Ausland abgesetzt. (APA)