Am Rande der nordirischen Stadt Londonderry ist in der Nacht auf Dienstag eine Autobombe explodiert. Die Gegend war nach einer Warnung geräumt worden, sodass nur Sachschaden entstand. Ziel war offenbar ein Bürogebäude der "Ulster Bank". Splittergruppen der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) wurden beschuldigt. Falls sie es tatsächlich auf die Bank abgesehen hatten, wäre das eine Rückkehr zu "kommerziellen Zerstörungen", wie sie einst von der IRA in den 1970er-Jahren gezielt verübt wurden.

Die britische Regierung hat unlängst die Alarmstufe für drei aktive Splittergruppen der IRA erhöht. Es wird befürchtet, dass auch ein Anschlag in Großbritannien geplant ist. Am Montag bekräftigte eine hohe nordirische Polizei-Offizierin, dass abtrünnige IRA-Gruppen immer besser bewaffnet und organisiert seien.

Am Dienstag verurteilten Minister der nordirischen Koalition den Anschlag. Vize-Regierungschef Martin McGuinness, ehemals ein führendes Mitglied der IRA, nannte die Täter verächtlich "conflict junkies", also konfliktsüchtig. Dabei handelt es sich teilweise um seine früheren Kameraden.

Pikanterweise wollte McGuinness am Donnerstag als erstes Mitglied der Sinn-Féin-Partei vor dem Parteitag der regierenden britischen Tories in Birmingham auftreten - 1984 hatte die IRA noch einen blutigen Bombenanschlag auf den Tory-Parteitag verübt. (Martin Alioth aus Dublin/DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2010)