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Foto: Reuters/ALEXANDER DEMIANCHUK

Linz - Pseudo-Polizei, Hundstrümmerl-Force, Anti-Bettler-Kommando - der "Kreativität" der Gegner waren in der Debatte um die Linzer Stadtwache keine Grenzen gesetzt. Doch trotz massiver Proteste und dem letztlich gescheiterten Versuch, die Stadtwächter mittels Unterschriftenaktion zu verhindern, gehören die Ordnungshüter mit dunkler Kappe, roter Jacke und schwarzer Hose nun seit 1. September zum Stadtbild. 30 Tage später war es für die politischen Initiatoren nun Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen - die erwartungsgemäß positiv ausfiel.

Zwei "brenzlige" Situationen

"Meiner Einschätzung nach sind die ersten Tage gut verlaufen, bis auf wenige Vorfälle, die öffentliches Interesse erweckt haben", zeigt sich der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SP) zufrieden. Konkret habe es zwei "brenzlige" Situation gegeben. Dobusch: "Eine Bedrohung mit einem Messer und einen Kopfstoß eines Schwarzfahrers. Beides ist aber glimpflich ausgegangen."

472 Mal im Einsatz

Insgesamt waren die 16 Mitarbeiter des Ordnungsdienstes im letzten Monat 472 Mal im Einsatz. Am häufigsten hatten es die Wächter mit illegalen Müllablagerungen zu tun (152 Fälle). An zweiter Stelle folgten Service und Information mit 122 Aufzeichnungen sowie Verstöße gegen Leinen- und Beißkorbpflicht mit 95. Illegale Bettelei schlug mit 61 Fällen zu Buche, 52 davon in der Innenstadt. Fünfmal galt es eine Verschmutzung durch Hundekot zu beanstanden.

Per pedes oder mit Öffis unterwegs

Hauptsächlich in der Innenstadt und in Urfahr sei der Ordnungsdienst präsent, dort seien 350 Fälle aufgezeichnet worden, bilanziert Sicherheitsstadtrat Detlef Wimmer (FP). Für ihn habe sich "das Konzept des Gutzuredens bewährt" und die Mitarbeiter hätten auch in brenzligen Situationen "im Sinne der Vorgaben" reagiert. Jeder Stadtwächter muss übrigens seine täglichen 20 Kilometer per pedes oder mit den Öffis bewältigen. Dobusch: "Die Leute müssen präsent sein, da bringt ein Auto nichts." Ob sich nun das Sicherheitsgefühl gesteigert hat? Dobusch: "Das traue ich mir jetzt noch nicht zu sagen."

Personaldebatte

Doch abseits der roten-blauen Harmonie rund um ein sicheres Linz birgt das Thema Stadtwache nach wie vor politischen Diskussionsstoff. So ist Dobusch weiter strikt gegen den von VP und FP geforderten Pfefferspray für die Stadtwache: "Wenn ich mir die bisherigen Einsätze anschaue, sehe ich keinen Bedarf für einen Pfefferspray."

Aufstockung noch unklar

Offen scheint auch noch der künftige Personalstand zu sein. Fixiert wurden von Rot, Schwarz und Blau per Gemeinderatsbeschluss dreißig Ordnungshüter. Aktuell patrouillieren 16 Personen, 18 sollen es bis Ende Oktober sein. Aber: "Über die geplante Aufstockung auf 30 Personen werden wir noch reden müssen, da gibt es sicher noch einiges zu diskutieren", glaubt Dobusch. (mro, DER STANDARD Printausgabe 6.102010)