Washington - Einer aktuellen Schätzung von US-Forschern zufolge könnte das Eis in der Arktis in 20 bis 30 Jahren während der Sommermonate komplett wegschmelzen. "Allen Anzeichen zufolge wird das Meereis über die kommenden Jahrzehnte weiter zurückgehen", teilte das Schnee- und Eis-Datenzentrum (NSIDC) in Boulder (US-Staat Colorado) am Montag (Ortszeit) mit. Das lasse sich auch aus aktuellen Beobachtungen in diesem Sommer rund um den geografischen Nordpol schließen.

Demnach ist das dickste Eis, das älter als fünf Jahre ist, fast vollständig verschwunden. Im September blieben lediglich 60.000 Quadratkilometer davon übrig. In den 80er Jahren hatte es zum gleichen Zeitpunkt noch zwei Millionen Quadratmeter gegeben. Das Verschwinden mache das Nordpolareis noch anfälliger für warmes Wetter.

Saisonweise eisfrei

"Wir rechnen immer noch mit einer saisonweise eisfreien Arktis in 20 bis 30 Jahren", sagte NSIDC-Direktor Mark Serreze. Die Prognose ändere sich auch dadurch nicht, dass es in diesem Jahr wieder mehr zwei- und dreijähriges Eis gebe. "Eine entscheidende Frage ist, ob dieses Eis auch in den kommenden Sommern überleben kann", sagte James Maslanik, Professor an der University of Colorado.

In diesem Jahr war das Arktis-Eis auf seine drittkleinste Fläche seit Beginn der Messungen 1979 geschrumpft. Überraschenderweise sei das Eis in einem zweiten Schub nochmals zurückgegangen, obwohl es nach dem 10. September eigentlich schon wieder zugelegt hatte, hieß es weiter. "Diese späte Wende zeigt, dass die Eisdecke dünn und nicht dicht geschlossen ist", sagte NSIDC-Wissenschafter Walt Meier.

Am 19. September wurden als Minimum via Satellit nur noch 4,6 Millionen Quadratkilometer gemessen. Nur in den Sommern 2007 und 2008 besaß die Arktis noch weniger Eis. Der bisherige Negativrekord wurde 2007 erreicht, als die Eisfläche auf 4,2 Millionen Quadratkilometer schrumpfte. 1980 war der Ozean noch auf einer Fläche von 7,8 Millionen Quadratkilometern zugefroren gewesen. (red/APA/dpa)