Schwierig ist das alles - mit dem Wählen und so. Eine Partei muss man finden, die der eigenen Weltanschauung nicht ganz konträr gegenüber steht. Zum richtigen Sprengel und zur Wahlzelle muss man finden. Das Kreuzerl und die Vorzugsstimmen muss man an die richtige Stelle setzen. Das alles, um danach trotzdem mit dem Gefühl nachhause zu gehen, dass der Slogan "Jede Stimme zählt" dann doch etwas übertrieben ist.

Noch schwieriger wird es, wenn die Herren und Damen aus der Politik sich so unmöglich gebärden, dass selbst die Option, das "kleinere Übel" zu wählen, flachfällt. Jede abgegebene Stimme ist für die Parteien automatisch ein Zeichen dafür, dass sie es scheinbar richtig gemacht haben. Wer aber ausnahmslos jeder Partei diese Bestätigung vorenthalten möchte, kann nur eines tun: weiß wählen.

Weiß-Wähler, nicht FPÖ-Wähler, sind die einzig wahren Protestwähler. Wer zuhause bleibt und nicht zur Wahl geht, mag möglicherweise unzufrieden sein, er kann allerdings genauso gut krank oder politisch nicht interessiert sein. Vorteil am Weiß-Wählen: Jede Stimme, die bei einer Wahl ungültig abgegeben wird, wird zur gesamten Wahlbeteiligung hinzugerechnet. Für sich genommen ist das noch kein zwingender Grund, um am Wahlzettel nichts anzukreuzen und eine Botschaft zu hinterlassen.

Wenn jedoch Weiß-Wählen gesellschaftsfähig wird und nicht mehr nur als Spaß von ein paar Spinnern abgetan wird, sieht die Lage wieder anders aus. Dann wäre es auch ein Experiment wert, die Weiß-Wähler als eigene (untätige) Partei zusammenzufassen und zur Mandatsverteilungen hinzuzurechnen, um damit die Politik unter Druck zu setzen. Für jedes Mandat gibt es einen leeren Sitz im Parlament oder Landtag.  Wenn dann eines Tages nur noch verwaiste Sitzungen mit einer Handvoll Abgeordneten stattfinden, gerät die Politik tatsächlich unter Zugzwang. Schade nur, dass die Politik kein Interesse daran haben wird, die nötigen verfassungsrechtlichen Änderungen zu veranlassen, um sich dieser schwerwiegenden Kritik in der Wahlurne zu stellen. (edt/derStandard.at, 6.10.2010)