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In 13 Dörfern in der kongolesischen Provinz Nord-Kivu wurden laut UNO Ende Juli und Anfang August binnen vier Tagen 242 Frauen und Kinder vergewaltigt.

Foto: APA/AP/Jerome Delay

Kinshasa - Im Zusammenhang mit den Massenvergewaltigungen von Frauen und Kindern in der Demokratischen Republik Kongo im vergangenen Sommer ist ein Milizenführer festgenommen worden. Colonel Mayele sei am Dienstag im Osten des Landes gefasst worden, sagte ein Sprecher der UNO-Friedensmission MONUSCO.

Mayele ist Anführer der örtlichen Miliz Mai-Mai Cheka. Die Angehörigen der Miliz sollen nach UN-Angaben in der kongolesischen Provinz Nord-Kivu gemeinsam mit Rebellen der Demokratischen Kräfte für die Befreiung Ruandas (FDLR) bis zu 500 Frauen und Kinder vergewaltigt haben.

"Sieg für die Gerechtigkeit"

Mayele wurde nach Angaben des MONUSCO-Sprechers bei einem "Militäreinsatz" der UN-Friedensmission in Zusammenarbeit mit der kongolesischen Militärjustiz festgenommen. Die UN-Sondergesandte gegen sexuelle Gewalt in Konfliktregionen, Margot Wallström, begrüßte die Festnahme als "Sieg für die Gerechtigkeit". Das gelte besonders für die zahlreichen Frauen, die Vergewaltigungen und andere Formen der sexuellen Gewalt erlitten hätten, erklärte sie in Kinshasa.

In 13 Dörfern in der kongolesischen Provinz Nord-Kivu waren laut UNO Ende Juli und Anfang August binnen vier Tagen 242 Frauen und Kinder vergewaltigt worden. Außerdem sollen sich im Laufe des Augusts etwa 260 weitere Vergewaltigungen in anderen Teilen von Nord-Kivu sowie in der Provinz Süd-Kivu ereignet haben.

"Wir haben für dieses riesige Land nur 1700 Blauhelmsoldaten"

Die UNO musste eigene Fehler einräumen, weil in dem Land stationierte Blauhelmsoldaten nicht einschritten. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte am Mittwoch, dass die Vereinten Nationen zu wenig Friedenssoldaten vor Ort haben, um den Schutz der Zivilbevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo zu sichern. "Wir haben für dieses riesige Land nur 1700 Blauhelmsoldaten. Zudem fehlt es uns an Material. Dass zwei Länder ihre Hubschrauber abgezogen haben, hat die Situation noch verschärft. Es ist kritisch."

"Die wichtigste Aufgabe der UN-Soldaten ist und bleibt der Schutz der Zivilisten", sagte Ban. Die sexuelle Gewalt sei die größte Hürde auf dem Weg zum Frieden, ihre Bekämpfung bekomme innerhalb der UN eine höhere Priorität. Die Blauhelmsoldaten hätten ihre Strategie überarbeitet, künftig werde es zum Beispiel unregelmäßige Patrouillen geben. Damit sollen die Friedensschützer für die Milizen nicht so berechenbar sein. "Wir werden außerdem die Dörfer mit Mobiltelefonen ausstatten, damit sie Hilfe rufen können", so der Koreaner.

Bayr: "Erster, aber kleiner Erfolg"

"Die jetzt gelungene Festnahme eines Verantwortlichen für die Massenvergewaltigungen in der Demokratischen Republik Kongo ist ein erster, aber nur ein kleiner Erfolg im Kampf
gegen die seit über zehn Jahren anhaltenden brutalen Gewalttaten gegen Frauen in der DRK", erklärte Petra Bayr, SPÖ-Entwicklungssprecherin und Mitglied des parlamentarischen
Menschenrechtsausschusses anlässlich der Inhaftierung des kongolesischen Milizenführers.

Das zehnjährige Jubiläum der UN-Resolution 1325, welche am 31. Oktober 2000 verabschiedet wurde, werde dennoch überschattet von anhaltenden Gräueltaten gegen Frauen in der DRK, die dazu beitragen, dass die so wichtige Resolution 1325 nicht durchgesetzt werden könne. "Erst die Durchsetzung dieser Forderung wird es Frauen in der DRK ermöglichen, wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen und ihren unentbehrlichen Part an Friedensbildung und Konfliktlösung wahrzunehmen, wie in der Resolution gefordert wird", so Bayr.

Besonders niederschmetternd sei in diesem Zusammenhang, dass der Einsatz der UN-Friedenstruppen im Kongo die Massenvergewaltigungen bislang nicht verhindern konnte. Auch die "sehr engagierten Bemühungen" seitens der EU würden aufgrund mangelnder Koordination noch zu wenig fruchten, bedauert die Entwicklungssprecherin. (APA/red)